Kulturlandschaft, die Logik hinter dem Artenverlust
Überarbeitete und erweiterte Auflage
Ab sofort erhältlich, bald auch im Handel! Vorbestellungen gern hier. Erste Auslieferungen ca. Mitte Juli 2026.

Warum dieses Buch weitergehen musste
Die überarbeitete und erweiterte Auflage von „Kulturlandschaft – Die Logik hinter dem Artenverlust“ ist nicht allein am Schreibtisch entstanden. Sie ist gewachsen. Aus Leserbriefen, Rückmeldungen, Gesprächen, langen Telefonaten, persönlichen Begegnungen und aus wertvollen Hinweisen von Menschen, die Natur nicht nur betrachten, sondern ernst nehmen, die unsere Situation verstanden haben und etwas verändern wollen.
Dafür möchte ich mich bedanken.
Dank, Gespräche und der Mut zum Widerspruch
Bei allen, die mir nach der ersten Ausgabe geschrieben haben. An alle, die einzelne Kapitel kommentiert, eigene Erfahrungen geschildert, kritische Fragen gestellt oder mich auf neue Quellen aufmerksam gemacht haben. Bei Naturliebhabern, Wildtierfreunden, Fotografen, Biologen, Wildtierbiologen, Fachleuten mit echter Gelände- und Artenkenntnis, aber auch bei Jägern, Ex-Jägern und Menschen, die das jagdliche System von innen genau kennen.
Gerade diese Gespräche waren oft von unschätzbarem Wert, weil sie nicht aus bequemer Distanz geführt wurden, sondern aus Erfahrung, Zweifel, Widerspruch und manchmal auch aus späterer Erkenntnis entstanden. Gerade diese Menschen waren mir wichtig und hilfreich. Menschen, die dem System vertrauten, in ihm geprägt wurden, aber eines Tages den Mut besaßen, es infrage zu stellen und sich weiterzuentwickeln. Solche Stimmen sind besonders wertvoll, weil sie nicht von außen urteilen, sondern aus innerer Kenntnis heraus beschreiben, wo ein System seine Glaubwürdigkeit verliert.
Viele dieser Rückmeldungen haben mich bestätigt. Andere haben mich gezwungen, noch genauer hinzusehen. Manche Gespräche waren hart, manche überraschend offen, manche sehr persönlich. Genau daraus ist diese neue Fassung entstanden, als Weiterentwicklung eines Buches, das offenbar an vielen Stellen einen Nerv getroffen hat.
Die erste Ausgabe war bereits eine Spur meiner eigenen Reise durch die Natur. Sie erzählte von Begegnungen, Beobachtungen, Erschütterungen und von der Frage, warum wir eine Landschaft, die wir Natur nennen, so sehr nach menschlichen Interessen ordnen. Die neue Ausgabe geht deutlich weiter. Sie fragt tiefer, präziser und an vielen Stellen auch unbequemer.
Mehr als eine Debatte über Jagd
Denn je mehr Gespräche ich führte, desto klarer wurde mir, dass es nicht nur um Jagd geht. Es geht um unser gesamtgesellschaftliches Verhältnis zur Natur, um Besitzdenken im öffentlichen Wald, um Reviergrenzen, die mitten durch Lebensräume gezogen werden, und um das Bild des Jägers als vermeintliche Ordnungsmacht. Es geht auch um Begriffe wie Hege, Waidgerechtigkeit und Regulierung, um Sprache, Macht und Gewöhnung, um ein Jagdsystem, das Natur nicht einfach begleitet, sondern häufig ordnet, bewertet und beansprucht. Vor allem geht es um die Revierjagd. Und es geht um eine noch tiefere Frage. Warum erscheinen natürliche Prozesse in Deutschland so oft als Problem, sobald sie menschliche Nutzung stören? Am Ende bleibt eine einfache, aber unbequeme Frage. Dulden wir Natur nur dann, wenn sie sich unterordnet?
Hinzugekommen sind deshalb neue und deutlich vertiefte Themen. Das Revierdenken nimmt einen größeren Raum ein, weil es weit über die Jagd hinausweist. Es zeigt, wie schnell aus öffentlichem Wald ein gefühltes Hoheitsgebiet wird. Wie Spaziergänger, Hundehalter oder Naturfotografen plötzlich als Störer betrachtet werden. Wie Wildtiere, die juristisch niemandem gehören, im Denken mancher Reviere dennoch zu „meinem Wild“ werden, gehalten, gefüttert und bevorratet. Genau dort beginnt ein zentraler Konflikt dieses Buches. Natur wird nicht mehr als gemeinsamer Lebensraum verstanden, sondern als verwaltbare Fläche.
Auch die biologische Ebene wurde wesentlich erweitert. Jagd ist nicht nur Tradition, Ritual oder Freizeitbeschäftigung. Sie greift in Populationen, Sozialstrukturen, Verhalten, Genetik und evolutionäre Prozesse ein. Wer schießt, wählt aus. Wer auswählt, verändert. Und wer über Jahrzehnte nach menschlichen Kriterien eingreift, ersetzt natürliche Selektion durch anthropogene Selektion. Die Frage lautet deshalb nicht nur, wie viele Tiere geschossen werden, sondern welche Folgen diese Eingriffe langfristig haben. Jede Kugel ist auch eine Auswahlentscheidung. Und jede dauerhafte Auswahl verändert ein System.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt nun auf der Erzählung von Jagd als Naturschutz. Kaum ein Satz ist so wirkmächtig wie die Behauptung, Jagd sei angewandter Naturschutz. Er klingt sachlich, verantwortungsvoll und modern. Doch bei genauerem Hinsehen verschiebt er die Wirklichkeit. Aus Töten wird Entnahme, aus Nutzung wird Pflege, aus Kontrolle wird Verantwortung und aus einem Eingriff wird Schutz. Das Buch fragt daher, ob diese Erzählung biologisch, ethisch und ökologisch wirklich trägt, oder ob sie vor allem ein altes, fast hundertjähriges System in einer neuen Sprache verteidigt.
Kulturlandschaft, Prozessschutz und Rückkehrer
Stärker herausgearbeitet ist auch das Thema Kulturlandschaft. Dieser Begriff klingt unverdächtig, fast schön. Tatsächlich wird er aber oft benutzt, um Eingriffe zu rechtfertigen. Weil eine Landschaft vom Menschen geprägt ist, soll Natur dort angeblich nicht mehr selbstständig funktionieren können. Der Wolf wird zum Problem, der Fuchs zum Störer, das Reh zum Verbissverursacher, das Wildschwein zur Plage. Doch vielleicht liegt der Fehler nicht in den Tieren. Vielleicht liegt er in einer Landschaft, die zu eng, zu zerschnitten, zu intensiv genutzt und zu stark verwaltet wurde, denn eine Landschaft ist nicht schon Natur, nur weil sie grün aussieht.
Deshalb geht es in der neuen Ausgabe auch um Prozessschutzflächen. Natur ist kein Zustand, den man wie ein Museumsbild erhalten kann. Echte Natur ist nicht nur Wald, sondern Bewegung, Konkurrenz, Prädation, Verfall, Nachwachsen, Anpassung, Sterben und Neubeginn. Kurz gesagt, ein andauernder, sich selbst regulierender Prozess. Wer Natur schützen will, muss nicht nur Artenlisten verwalten, sondern Prozesse zulassen und loslassen können. Dafür braucht es Räume, in denen nicht ständig eingegriffen, gepflegt, bejagt, geordnet und korrigiert wird. Zonen ohne Schuss. Flächen ohne forstliche Verwertungslogik. Räume, in denen Natur wieder handeln darf. Solche Räume wären keine romantische Idee, sondern ökologische Referenzflächen für eine Gesellschaft, die verlernt hat, funktionierende Natur überhaupt noch zu erkennen.
Auch der Wolf nimmt in dieser Fassung eine noch wichtigere Rolle ein. Nicht, weil er allein die Lösung wäre, sondern weil seine Rückkehr sichtbar macht, wie wenig wir natürliche Prozesse noch aushalten. Der Wolf ist kein Fremdkörper. Er ist ein gesellschaftlicher Prüfstein. An ihm, wie an vielen anderen Rückkehrern, wie etwa Elch, Wisent oder Goldschakal, zeigt sich, ob wir wirklich bereit sind, Natur als eigenständigen Prozess zu akzeptieren, oder ob wir sie nur dort dulden, wo sie sich den Nutzungsinteressen einer gesellschaftlichen Minderheit unterordnet. Die Debatte um den Wolf verrät deshalb oft mehr über uns als über ihn.
Waldrechte, Verantwortung und lebendige Natur
Neu aufgearbeitet ist außerdem eine rechtliche Einordnung zum Wald. Viele Menschen wissen gar nicht, was im Wald erlaubt ist, welche Rechte sie haben und wo jagdliche Befugnisse enden. Gerade Naturfotografen, Spaziergänger und Hundehalter erleben immer wieder Einschüchterung, falsche Behauptungen oder unzulässige Drohkulissen. Deshalb war es mir wichtig, auch diesen Punkt aufzunehmen. Der Wald gehört nicht dem lautesten Auftreten, nicht der Waffe und nicht dem Revierpächter. Er ist Lebensraum, Erholungsraum und öffentlicher Naturraum. Wer den Wald betritt, betritt keinen privaten Jagdhof. Er betritt einen gemeinsamen Raum mit Rechten, Pflichten und Verantwortung.
Diese überarbeitete und erweiterte Auflage ist damit persönlicher, klarer und zugleich umfassender geworden. Sie verbindet eigene Erlebnisse mit Recherche, Quellen, Beobachtungen und Gesprächen. Sie ist weiterhin unabhängig entstanden und ohne institutionelles Interesse im Hintergrund. Jedes Foto, jede Beobachtung, jede Quelle und jede Zeile stehen in eigener Verantwortung, aber sie wurden durch die großartige Unterstützung vieler Fachleute, Freunde und kritischer Begleiter möglich. Auch thematisch und in der Umsetzung danke ich an dieser Stelle fantastischen Freunden von Herzen.
Ich danke allen, die diesen Weg bisher begleitet haben. Allen, die geschrieben, gesprochen, widersprochen, ergänzt, ermutigt oder kritisch nachgehakt haben. Sehr viele von Euch haben dazu beigetragen, dass dieses Buch weitergehen musste. Die neue Ausgabe ist deshalb mehr als eine Neuauflage. Sie ist eine überarbeitete und erweiterte Einladung, unsere Kulturlandschaft neu zu betrachten. Nicht als Besitz, nicht als Revier, nicht als Ressource, sondern als das, was sie wieder werden muss. Lebendige Natur.
Dieses Buch will keinen Streit um Begriffe gewinnen. Es will eine notwendige Debatte öffnen. Darüber, wie viel Natur wir wirklich zulassen wollen und ob wir bereit sind, Macht über Landschaft wieder an Leben zurückzugeben.
Bestellung gern hier: https://naturdigital.online/buch/ . Demnächst auch im Handel!
„Natur liefert Wasser, Boden und Luft, die Voraussetzungen für unser Leben.
Die Kulturlandschaft zehrt davon und verwechselt Teilhabe mit Eigentum. Am Ende entscheiden Geld und die Bedürfnisbefriedigung einiger Weniger über unsere aller essenziellen Lebensgrundlagen.“
Guido Meyer, alias ’naturdigital‘, 18.06.2026

Chapeau bas❣️
Wow, lieber Guido, ich gratuliere dir, zu diesem Schritt, dein Buch fortzusetzen. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung diese Aufklärung erhält, faktisch und klar, um sich selbst davon zu überzeugen, was ganz offensichtlich seit Jahren und entgegen der Wissenschaft, entgegen von Natur und Artenschutz, legitimiert durch Lobbyismus, aus oft niederen Beweggründen,praktiziert wird. Die Bevölkerung hat ein Recht darauf. Danke und herzliche Grüße, Marion Geyer
Aber HALLO, schon nach so kurzer Zeit eine zweite und sogar erweiterte Auflage. Was für ein faszinierender Erfolg für deine Arbeit und das Buch im Besonderen! Toll, dass es nun auch bald im Handel erhältlich ist. Das wird hoffentlich die Beachtung dieser von dir aufgegriffenen Themen nochmals deutlich verbessern.
Ich wünsche dir viel Erfolg!
Viele Grüße Peter Gäbelein