Hege und Pflege

Hege & Pflege

Der Neurologe, Schriftsteller und Jäger (!) Paul Parin (verstorben 2009) war mehrfach ausgezeichneter Psychoanalytiker, erklärte in seinem vielbeachteten Buch “Die Leidenschaft des Jägers” (Europäische Verlagsanstalt, 2003), erstaunliche, aber selbstkritische ehrliche Zeilen. Zitat:
“Die wirkliche Jagd ist ohne vorsätzliche Tötung nicht zu haben. Leidenschaftlich Jagende wollen töten. Jagd ohne Mord ist ein Begriff, der sich selber aufhebt. Und weil es sich bei der Jagd um Leidenschaft, Gier, Wollust handelt – um ein Fieber eben -, es geht um Lust und Verbrechen jeder Art, um Mord und Lustmord.”

Das mag den einen oder anderen Leser gewaltig verschrecken, aber es sind Dokumentationen, Schriften und Gedanken eines ehemaligen Jägers.

Auch Carlo Consiglio, Zoologe an der Universität Rom, kommt zu dem wissenschaftlichen Schluss, dass es nicht die geringste Rechtfertigung für die Jagd gibt, und zeigt in seinem Buch “Vom Widersinn der Jagd” auf, welch falschen biologischen Voraussetzungen und Behauptungen das ganze Prinzip der Jagd beruht.

Der Jäger und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche gibt in seinem Buch “Jagen, Sex und Tiere essen, die Lust am Archaischen” (Neumann-Neudamm, 2012) offen zu:
“Wir jagen nicht, um das ökologische Gleichgewicht herzustellen. Zumindest ist das nicht das auslösende Motiv unserer Anstrengungen. Es ist nur eine Rechtfertigung für unsere Triebe und Wünsche, die viel tiefer gehen als die Erfordernisse der Wildschadensvermeidung und des ökologischen Gleichgewichts. Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.”

Sicherlich ist keinesfalls absolut pauschal jeder Jäger in diesem obigen Sehstreifen zu finden, zumal auch immer mehr Anklagen aus eigenen jagdlichen Reihen zu vernehmen sind. Auch sind viele Hobbyjäger ganz bestimmt im Glauben das Richtige und das im Namen der Natur zu erledigen, so sprechen ja viele davon, ehrenamtlich sehr viele Stunden mit der Hege beauftragt zu sein. Bedauerlich ist, dass sich in den massiv verändernden Zeiten der Klimaveränderungen, des Artensterbens, des Waldsterbens, des immer größeren Jagddrucks wie zuletzt nun auch des Nachts, aber auch mit der Chance vieler zurückkehrender Tiere wie Luchs, Elche, Wolf, Adler, Wisent, sich auch die Betrachtungsweisen nicht ändern, sich viele Jäger wie andere Menschen auch, nicht weiterentwickeln, ihr Handeln nicht einfach mal in Frage stellen. So wie z.B. der ehemalige Jäger Prof. Dr. Dr. Herzog der TU Dresden. Zwar ist dieser noch immer der Meinung, dass Rehwild, Schwarzwild und Rotwild ein Stück weit bejagt werden “müssten/könnten”, aber sonst die Jagd komplett eingestellt werden sollte. Herr Prof. Dr Reichholf ist da schon weiter und sein Video “Jagd reguliert nicht” macht deutlich, dass Jagd nur noch mehr Wildtiere “erzeugt”, die Populationdynamik eben exponentiell genau durch Jagd erst ansteigt (siehe auch Beiträge zuvor).
Der Förster Peter Wohlleben steht der Hobbyjagd heute auch sehr kritisch gegenüber, hat schon vor Jahren dafür plädiert den Hobbyjagdanteil der Jagd abzuschaffen (siehe Interview Quellenverzeichnis unten).

Gern polieren entsprechende Jäger ihr Image, die Verbände geben viel Geld aus, um ihr Image über professionelle Marketingaktionen aufzubessern, zumal der Ruf gerade durch heutige Möglichkeiten wie den sozialen Medien sehr leidet, da Wahrheiten schnell und bebildert ins Netz gehen, und immer mehr Menschen das Treiben durchschauen, bzw. es auch dieser Tage nicht mehr akzeptieren wollen.
Auch innerhalb der Jägerschaft grummelt es kräftig. So ist z.B. die neue und mittlerweile extrem genutzte Nachtsicht-, und Wärmebildtechnik ausschlaggebend für eine völlig neue extreme Bejagung, nun auch in der Nacht. Zwar nur zur Wildschweinjagd erlaubt, aber andere Wildtierarten wie Rotwild werden kaum verstehen, dass sie nicht gemeint sind, folglich unterliegen auch sie nun dem zusätzlichen 24/7 Jagddruck und werden nun permanent in die dichten Wälder gedrückt. Der Spaß und die Effizienz wird in einem Jagdlager groß gefeiert, während andere schon davor warnen, dass das Schwarzwild “leergeschossen” wird, da viele deutlich öfter jagen, und auch viel mehr Tiere pro Jagd erlegen. In der neuen intensivsten Form der Bejagung wird das betroffene Wild gem. Prof. Dr. Reichholf nun nicht mehr “nur” in der maximalen Populationdynamik gehalten, sondern dann in dem noch deutlich höheren Maß der Jagd tatsächlich so auch ausgerottet.

Die Hälfte der einst jagbaren Tierarten sind so im letzten Jahrhundert höchst intensiver Bejagung bzw. deren Hege & Pflege ausgestorben oder stehen auf der Roten Liste (z.B. Elch, Wisent, Luchs, Wildkatze, Fischotter, Auer-, Birk-, Reb-, Haselhuhn, Großtrappe, Adler, Falken), und das nach hundert Jahren waidmännischer Hege. So gesehen hat die Jagd, hat das System, doch vollständig versagt.
Von den Säugetierarten, die dem Jagdrecht unterliegen und auch bejagt werden, befinden sich drei schon wieder auf der ‘Vorwarnliste’, nämlich Wildkaninchen, Baummarder und Gämse. Der Iltis muss deutschlandweit erstmals als ‘gefährdet’ eingestuft werden. Der Feldhase (Lepus europaeus), dessen Situation sich in Deutschland nicht verbessert hat, wird weiterhin als ‘gefährdet’ eingestuft.
Nun aber migrierten einige Tierarten, z.B. aus Polen kommend, wie der Elch, der Wolf, oder ehrgeizige echte Naturschutzprojekte begeistern durch Wiederansiedlung wie dem Luchs oder dem Bartgeier u.m., führen heute wieder erfolgreiche Bestände.
Damit ist eine große Chance für uns alle gegeben. Jedes Tier hat in der Natur eine gewisse Rolle, ist Teil des Systems Mutter Natur. Gerade zum größten Artensterben seit 65 Mio. Jahren müssen wir uns dieser Chance bewusst sein. Wir alle müssen Verantwortung übernehmen und mitentscheiden, keinesfalls dürfen wir diese Chance nur 402.000 Hobbyjägern überlassen, schon gar nicht den von Paul Parin beschriebenen.

Die Jagd war bis zur Spaßjagd (Hobbyjagd), wie durch Jagdreisende und Trophäenjäger, ausschließlich zur Nahrungsbeschaffung bestimmt. Das ist aufgrund des reichhaltigen Nahrungsangebotes nicht mehr nötig, die Diskussion der “Nutztierhaltung” auch eine völlig andere, wenn auch genauso dringende Diskussion. Auch die Notwendigkeit der Materialbeschaffung für die Herstellung von Waffen und Kleidung ist kein Aspekt mehr.

Das Thema Jagd geht uns alle an! Müsste diese nicht endlich nach und mit wissenschaftlichen Studien dringend komplett reformiert werden? In weiten Teilen wie mindestens den Naturschutzgebieten auch komplett abgeschafft werden?
Gehören Treib- und Drückjagd sowie die Jagd auf viele Tiere wie Fuchs, Feldhasen usw. nicht auch komplett verboten? Sollte man nicht völlig unabhängige Kontrollinstanzen schaffen, wie z.B. „Parkranger“, die die Jagd mit polizeilicher Gewalt kontrollieren?

Erst das vom Jäger getötete Tier gehört dem Jäger, die lebenden Tiere sind herrenlos, oder anders gesehen, “gehören” uns allen. Wir haben eine Stimme….

Prof. Dr. Dr. Herzog
https://www.jagdzeit.de/podcast/37-prof-sven-herzog-technik-macht-jagd-nicht-ethischer

Prof. Dr. Reichholf (Ab Min 27:00 die Populationdynamik in den Kernausagen!)
https://youtu.be/xeknVbfzT_w?feature=shared

Nachsichtgeräte und die Folgen
https://www.youtube.com/watch?v=KUCmpstfADk

Peter Wohlleben
https://www.freiheit-fuer-tiere.de/artikel/peter-wohlleben-hobbyjagd-abschaffen.html

9 Kommentare zu „Hege und Pflege“

  1. Ein so wichtiger Beitrag und Beleuchtung der Zustände in Deutschland. Auch in der Schweiz, als Schlusslicht in der europäischen Biodiversität, mit am meisten Tieren und Pflanzen auf roten Listen, muss zwingend umgedacht werden. Doch wie bringen wir das Jägervolk zum umdenken? Ich behaupte jetzt mal, das geht nicht. Ohne Verbote (also Jagdverbote) wird es nicht gehen… Am einfachsten wohl mit Jagdverbotszonen zu erreichen, diese dann schrittweise auf Ganze Gebiete/Kantone/Bundesländer ausdehnen. Dies ist aber ein praktisch undurchführbarer Plan und wird eine, wahrscheinlich sicher mehrere Generationen dauern. Ich hoffe das bis dahin noch primäre Spezies von Wildtieren leben und es nicht schon zu spät ist. Denn vom 18ten ins 19te Jahrhundert waren wir schon mal so weit und haben viele Tiere ausgerottet. Ich hoffe das Beste, rechne aber leider mit dem schlimmsten…
    Trotzdem geben wir nicht auf und kämpfen weiter. Jedes Gebiet oder Tier das durch unsere Schutzbemühungen gerettet werden kann, verlangsamt den Verlustprozess und ist bei weitem den Einsatz wert. Deshalb werde ich auf meine Art weiterkämpfen. ✊🏼🍀🙋🏻‍♂️

  2. Um die Jagd in Deutschland zu begreifen, muss man das Reviersystem kennen und wissen, was eigentlich Worte wie Hege, Pflege und Waidgerechtigkeit in der jagdlichen Praxis bedeuten.
    Das Reviersystem in Deutschland ist so aufgebaut, daß die Landbesitzer, die zwar das Jagdrecht auf ihren Flächen haben, aber zusammen in einer Zwangsjagdgenossenschaft dann das Jagdausübungsrecht an einen, oder an mehrere Hobby-Jäger verpachten.
    Der, oder die Revierpächter können dann nach ihren Vorstellungen das Revier bewirtschaften. In der Praxis bedeutet das, daß sie die, für sie “wertvolle”, Arten fördern, also hegen und pflegen, damit der Bestand sehr hoch bleibt und Abschüsse auch vermarktet werden können, um Kosten, wie die Pachtgelder, wieder teilweise rein zu bekommen. Damit aber, die den Revierpächtern angenehme jagdbare Arten künstlich hoch in ihren Beständen bleiben, werden die ihnen unangenehme Arten, wie die Beutegreifer, also Fuchs, Dachs, marderartige, Rabenvögel usw. ebenfalls gehegt, was allerdings das massenhafte töten dieser Beutekonkurrenten in der jagdlichen Praxis bedeutet und nicht umsonst als die Hege vor der Ernte bezeichnet wird. Als Ernte sind dann insbesondere die Niederwildarten gemeint, die während der fürchterlichen Treibjagden dann den Hobby-Jägern zum Opfer fallen.
    Zusammengefasst kann man sagen, das beide Begriffe, also Hege und Pflege für die Artenvielfalt und überhaupt für die Biozönose von großem Nachteil sind und praktisch eine Faunenverfälschung in den Revieren gleich kommt.
    Die sog. Waidgerechtigkeit soll den Nichtjägern signalisieren, das Hobby-Jäger den Tierschutz ernst nehmen und einhalten. Leider ist dieser Begriff völlig inhaltslos und fördert sogar noch das Tierelend. Weil man ja den jagdbaren Arten eine Chance geben will, um zu überleben werden viele Arten im Sinne der Waidgerechtigkeit nur auf der Flucht erschossen, also in voller Bewegung.
    Nicht umsonst klammert das Tierschutzgesetz die Jagd in ihren Vorschriften zum Tierschutz aus und erlaubt somit Tierquälereien unter dem Deckmantel der Waidgerechtigkeit mit Sätzen wie “verboten, ausser bei bei der waidgerechten Jagdausübung”.
    Als Beispiel sind hier das Hetzen von einem Tier auf ein anders zu nennen, was nicht erlaubt ist, aber in der Jagd doch praktiziert werden darf.
    Zusammengefasst kann man sagen Hobby-Jagd bedeutet Tierelend, Tierqual, Faunenverfälschung und Verdummung der Nichtjäger.
    Hobby-Jäger können entscheiden, ob sie töten, oder leben lassen, wie viele sie von den jagdbaren Arten in ihrem Revier töten, oder auch nicht, einzige Ausnahme sind die Schalenwildarten mit ihren Abschussplänen.
    Die jagdbaren Arten sind also völlig abhängig von den jeweiligen Wünschen und praktischen Taten der Revierpächter und ohne, daß sie irgendwelche Nachweise erbringen müssen, warum sie Arten töten.

  3. Der Kommentar von Johann Beute beantwortet hervorragend deine letzten Fragen. Ja, die Jagd muss dringend reformiert und nicht nur in Naturschutzgebieten abgeschafft werden. Wer die Fahne für Biodiversität hochhält, muss die Hobbyjagd im Grunde sogar verbieten, weil sie gegen Biodiversität ‘arbeitet’ und ausschließlich und allein die Interessen des Jagdpächters verfolgt. Das kann auf Dauer nicht gutgehen und alle Studien belegen ja auch die negativen Folgen durch die Jagd, was seltsamerweise aber auch von der Politik komplett ignoriert wird. Allenfalls Berufsjäger sollte es noch geben, falls tatsächlich mal regulierend eingegriffen werden muss, wie z. B. Hilfe oder vielleicht sogar Erlösung von schwer verletzten Tieren. Damit ist auch gleich deine nächste Frage in Bezug auf Treib-/Drückjagd und die Jagd auf die von dir aufgezählten Tiere beantwortet. Auch das entfällt, wenn man die Hobbyjagd verbietet.
    Zur Frage von vollkommen unabhängigen Parkrangern als Kontrollinstanz, die die Jagd mit polizeilicher Gewalt kontrollieren: Das wird als unabhängige Instanz nicht gehen. Wir leben hier in einem demokratischen Land mit Gewaltenteilung. Die Kontrolle, ob Gesetze und ihre Verordnungen beachtet werden, obliegt der Exekutive und somit staatlichen Einrichtungen wie der Polizei. Aus diesem Grund haben hier bei uns Ranger, wie z. B. die Heideranger, keinerlei Befugnisse. Sie dürfen noch nicht mal den Personalausweis zur Feststellung von Personalien verlangen. Wenn jemand die Jagd mit polizeilicher Gewalt kontrollieren soll, muss der Staat handeln und entsprechende Ämter (bei der Polizei) einrichten. Meines Erachtens ist auch dringend eine solche Instanz zu schaffen, schon deswegen, um Fälle der illegalen Jagd auf geschützte Tierarten aufklären zu können.

    Was mich allerdings wundert, dass es immer mehr Menschen zu dem Hobby ‘Jagd’ zieht. Gerade diejenigen, die damit beginnen, sich für die Jagd zu interessieren, scheinen sich von der in Bild, Text und Videos künstlich geschaffenen Welt der Jagdverbände und Pro-Jagd-Vereine, die ja mit Gewinnerzielungsabsicht geführt werden, mit romantischen Naturerlebnissen beeindrucken zu lassen und beginnen sich dadurch auch für die Hobbyjagd zu interessieren.
    Werben doch alle mit Naturverbundenheit, Erhalt artenreicher und gesunder Wildtierbestände in intakten Lebensräumen, Anlegen von Futterstellen in Notzeiten, Seuchenbekämpfung, Hilfe für durch Verkehrsunfälle verletztes oder getötes Wild und als i-Tüpfelchen obendrauf die Rettung von Bambi vor den Mähdreschern. Wirklich sehr wichtige Aufgaben und das Gefühl, der Natur etwas (zurück) zu geben, ihr zu helfen. Obendrauf werden den Interessierten noch tolle Videos und beeindruckende Naturfotos gezeigt und mit romantischen Abenden am Lagerfeuer gelockt.
    Hat man den teuren Jagdschein in kürzester Zeit dann erworben, möchte man schließlich das Erlernte auch umsetzen. Dazu gehört nun mal auch das blutige Geschäft. Um vielleicht Anfangsängste zu überwinden, setzt nun das ein, was ich immer als Gehirnwäsche bezeichne. Fallen für Prädatoren werden damit begründet, dass sie Bodenbrüter und geschützte Arten bedrohen, der Abschuss des Hirsches mit Wildregulierung, weil ja natürliche Prädatoren fehlen, die aber gerade von Jägern weggefangen und getötet werden mit grausamsten Methoden. Oft auch illegal, entgegen jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis, die über Prädatoren was ganz anderes aussagt. Aber die Themen hast du ja schon in anderen Beiträgen sehr gut erläutert.

    Ganz unblutige und wunderschöne Momente in der Natur kann man auch auf andere Art und Weise erleben: All die obengenannten Aufgaben als freiwilliger Helfer oder Artenzähler bei Naturschutzvereinen, die immer wieder Unterstützung brauchen …… oder als Naturfotograf 😊. Was haben wir alle schon für tolle, zu Herzen gehende Momente beobachten dürfen.

    In Kanada gab es mal ein Programm ‘Pixels for Pistols’. Ein großer kanadischer Fotohändler tauschte Waffen gegen eine Kamera im Wert von 240 Dollar plus einen Gutschein für einen Fotokurs ein. Es ging zwar nicht speziell um Jagdwaffen. Aber hey, vielleicht ja auch eine tolle Werbekampagne hier in Deutschland 😉. Mit einer Kamera kann man diese unglaublichen Momente in der Natur viel besser festhalten. Man trifft zwar auch nicht immer. Es richtet aber keinen Schaden an, wenn der Fokus danebengeht 😁.
    Das Motiv passt mal wieder ganz hervorragend.

  4. Matthias Schichta

    Die Begriffe Hege & Pflege bedeuten genau genommen so viel wie “sich um etwas intensiv kümmern”. In Bezug auf die Jagd und den Wald sprechen wir von Bestandsregulierungen um die Wälder und die darin enthaltenen Bäume zu schützen, in dem man die Verbissschäden durch Wildtiere wie Reh-, Rot- oder Schwarzwild durch die Jagd kontrolliert. Für mich sind die Begriffe Hege & Pflege nur noch eine Begründung für die Jagd und speziell für die Hobbyjagd, denn genau diese ist doch verantwortlich dafür, dass die Wildtierdichte immer mehr steigt und dadurch auch die Schäden im Wald.

    Aber warum spricht man eigentlich von Schäden? Millionen von Jahren hat die Natur sich immer wieder geändert und angepasst – bis der Mensch kam und meint, eingreifen zu müssen. Mittlerweile werden die meisten Schäden im Wald durch die massiven Rodungsarbeiten verursacht, in dessen Zuge auch tausende von jungen Bäumen einfach platt gefahren werden. So viel können die Wildtiere in ihrem Leben nicht abknabbern.

    Man kann es drehen wie man will – die über 400.000 Hobbyjäger in unserem Land sind nicht Teil des Naturschutzes, sie befriedigen ihren Trieb der Lust am Töten, dem Gefühl über etwas zu stehen und über etwas ganz bestimmten die Macht zu haben. Der Aspekt der Nahrungs- und Materialbeschaffung ist schon lange nicht mehr gegeben und daher gehört diesem System stark dezimiert, wenn nicht sogar verboten, aber vor allem gehören diese raus aus dem Kreise der Berater, welche man bei Themen wie dem Wolf zurate zieht, da sie ein übergeordnetes Interesse daran haben, dass dieser wieder verschwindet und da nehmen Sie gerne andere Themen wie den Weidetierschutz, die Gefahr für uns Menschen und den Deichschutz als probates Mittel um Werbung für die Bejagung zu machen.

  5. Der Begriff Hobbyjagd allein ist schon irreführend.Wer hat zb jemals von Hobbytennis oder ähnlichem gehört,ich zumindest nicht.

    Laut Wiki bedeutet Hobby
    “Ein Hobby ist eine Freizeitbeschäftigung, die der Ausübende freiwillig und regelmäßig zum eigenen Vergnügen oder der Entspannung betreibt. Es trägt zum eigenen Selbstbild bei und stellt einen Teil seiner Identität dar.”

    Steht jedem frei nach dieser Definition “Hobbyjagd” gedanklich einzuordnen.

    Die Wildregulation wird über die Abschussquote festgelegt.

    Die Abschusszahlen zur Wildregulation werden allerdings nicht nach den realen Wildtierbeständen, sondern wie seit Anfang des letzten Jahrhunderts nach den entstandenen Wildschäden festgelegt.

    Warum … weil es gar keine Zahlen,Monitoring zum Wildtierbestand in Deutschland,zu jedem Bundesland gibt.

    Da kommt man schnell zur Frage wie kommt man dann zur Abschussquote und noch viel wichtiger wie ist man überhaupt in der Lage Populationen richtig einzuschätzen.
    Via Statistik,Hochrechnung ?
    und wer führt diese aus ?

    Ein Schelm wer böses denkt wenn Statistiken von dem erhoben werden wem sie nützen …

  6. Wie kann man glauben, durch Töten von Bestandteilen der Natur diese zu schützen? Mag es unter Jäger:innen tatsächlich auch diejenigen geben, die glauben, etwas für die Natur zu tun … der Dachverband Jagd weiß genau, aufgrund welcher Motive er wie handelt: geht es nicht vielmehr um Gewinnmaximierung und Aufrechterhalten der Jagd um des Jagens willen? Und das auf Kosten von Wild und Natur. Deshalb geht Jagd uns alle an! Das Image der Jagd leidet u.a. auch dadurch, dass gerade die jüngere Generation der Jäger:innen all‘ das in den sozialen Netzwerken zeigt, was sonst oft im Kreis der Jägerschaft intern verborgen blieb. Also das Image leidet aufgrund der gezeigten Wahrheiten, die z.T. auf grausame Art getöteten Tiere dienen dem Spaß, dem Hobby, zur Selbstdarstellung, der Selbstaufwertung …

  7. Deinen großartigen und schlüssigen Argumentationen ist nichts hinzuzufügen Guido. So bleibt mir nur zu danken und ergänzend die Allgemeinheit darauf hinzuweisen, dass auch gewisse Konzerne ganz gut mit den “Leichen im Keller” leben können (sh. Dieselskandal oder Lachsfarmen) und mit gezielter Werbung erfolgreich weiter bestehen bzw. ihre Geschäfte sogar steigern können, obwohl sie Kunden klar getäuscht haben und wohl weiter täuschen werden. Hilfreich dabei ist, dass der Mensch sehr schnell vergisst und ohnehin schnell der Reizüberflutung durch “negative” Meldungen den Rücken kehren.
    Aus Deinem Link zu Nachtsichttechnik wird verdeutlicht, wie offenbar auch Jäger “blind” in Schwarzdornbüsche “feuern” und nachts nach Abschuss des 1. “Stücks” auch noch “blind” auf das nächste, dann flüchtende “Stück” feuern obwohl ein sicherer Schuss nicht mehr machbar ist. Auch wird vom Jäger bestätigt, wie selbst Inselpopulationen von Schwarzwild zu 100 % abgeschossen wurden, was nicht Sinn und Zweck einer Jagd sein kann.
    Auch Krieg unter Menschen mit Anwendung immer feineren und präziseren Mitteln, hat das Töten nicht gerade “ethischer” gemacht.

    Leider sehen noch immer zu viele Menschen in der Hobbyjagd eine Notwendigkeit, ohne selbst tiefer in die Materie einzusteigen. Würden sie ihre Augen nicht vor den dramatischen Folgen verschließen, würden sie auch das Tierleid und die Folgen der Jagdpolitik besser erkennen. Deine Ausführungen wären hier für diese Gruppe ein lehrreicher Fundus.

  8. Betrachtet man die Vielzahl der Tiere, die auf der Roten Liste oder Vorwarnliste stehen oder jene die bereits ausgestorben sind, sieht man eindeutig das die vor die Tür geschobene Hege & Pflege zu einem traurigen Ergebnis geführt hat. Und genau das ist der Punkt. Würde es ihnen wirklich um die Hege & Pflege bzw. den Schutz der Tiere und der Natur im Ganzen gehen, dürfte nicht dieses sinnlose Jagen stattfinden nur um sich zu profilieren oder die Lust am Morden zu befriedigen (für mich eine absolut grauenhafte Vorstellung). Umso erfreuter ist es zu lesen, wie offen ein Teil der Jäger spricht. Davon müsste es noch viel mehr geben. Vor allem jetzt müssen sie den Mut fassen und sich offen und ehrlich äußern. Egal was die Anderen in diesem Moment denken. Denn letztendlich wissen sie doch genau, dass diese Recht haben. Geld und Ruhm ist nicht alles im Leben. Das müssen auch die Treiber und Macher der Hobbyjagd endlich einsehen. In deinen vorherigen Beiträgen hast du auch immer wieder aufgeführt, wie gut es der Natur in anderen Ländern oder Gebieten ohne Hobbyjagd geht. Warum auch nicht endlich in Deutschland? Wir haben so viele abwechslungsreiche Landschaften, wo es sich doch lohnen würde die Natur Natur sein zu lassen. Diese Landschaften würden um ein Vielfaches an Reichtum gewinnen und so noch mehr Schönheit erlangen. Wenn sich nichts ändert und nicht endlich ein Umdenken stattfindet, wie sollen dann die Kinder in der Zukunft die Tiere in der Natur erleben. Wenn sich auf Grund der immer perfideren Jagdmethoden die Tiere gegen ihr natürliches Verhalten noch mehr zurückziehen, wird man bald denken es gibt keine frei lebenden Wildtiere mehr. Wird dieser Umstand überall erreicht, sind wir an einem weiteren traurigen Tiefpunkt, welchen der Mensch anrichten kann. Und hält man sich die Zahl derer vor Augen, die dafür verantwortlich sind, ist es umso trauriger. Es wäre daher nun dringend an der Zeit der sinnlosen Hobbyjagd ein Riegel vorzuschieben und zu verbieten. Lieber Guido, ich danke dir für diesen großartigen Beitrag, deine Recherchen, deine Mühen und dieses wunderschöne Bild. 🙏🏼🤎

  9. Sehr interessanter Bericht, ich denke wir und die Generationen nach uns werden der Natur mit all ihren wunderschönen Facetten beraubt, denn schon jetzt sind Massen von Jägern unterwegs und es werden immer mehr! Ich denke auch das Tiere die sich wieder ansiedeln von manch einem ” Naturschützer ” mit Freude erwartet werden um seinen Trieb zu stillen, wenn auch geheim. Ein ehemaliger Nachbar, ein Jäger, sagte mal zu mir wenn er einen Wolf sieht nutzt er die drei S, SCHIEßEN, SCHAUFELN, SCHNAUZE HALTEN! Was also hält ihn bei anderen sich ansiedelnden oder gefährdeten Tieren davon ab?
    Lieber Guido, manch weiter so, deine Arbeit ist großartig 🙏👍💚

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