Umsatz Jagdbranche

Immer wieder sind sehr viele “Meinungen” von der Jagd zu lesen. Die Jagd sei essenziell zur Erhaltung von Arten, fördere gar die Biodiversität und ganz vorne weg in den Anfängen aller Argumentationsketten, diese sei in einer Kulturlandschaft notwendig. Aber vorsicht, es sind Meinungen! Auch von großen einschlägigen Jagdzeitschriften bleibt es nur eine Meinung! Messungen (!) hingegen, Wissenschaft eben, bezeugen/bezeugt immer das Gegenteil dieser oft emotionalen Meinungen! Tatsächlich wissen wir nicht einmal was passiert, wenn wir zB im NSG nicht mehr Jagen, das Areal völlig sich selbst überlassen, es gibt nur Meinungen dazu. Auf der anderen Seite aber viele Beispiele zur Selbstregulation der Natur.

Die Jagdlobby hält seit den 70ern eisern an ihrem Dogma fest, beschäftigt einige große Werbeagenturen die diesem Bild, dieser Imagepflege ständig nachhelfen (zu ergoogeln).
Ob durch direkte Werbemaßnahmen, das Bild Jagd = “Hege&Pflege” wird schon Jahrzehnte in die Köpfe der Menschen gehämmert, oder dem ständigen Ablichten, sich werbewirksam danebenstellen als “Naturschützer”, wenn es zB. um richtig gute sinnvolle Aktionen wie die Kitzrettung geht, obgleich man Kitze dann ab September schießt. Auch scheut man keine erfundenen Artikel in Partnermedien. So war kürzlich in ernsthaften Zeilen in recht seriös wirkender Aufmachung zu lesen, “frisst der Wolf Wildschweine?”, natürlich mit Bildmaterial.
Dabei weiß es die Hobbyjagd ganz genau, trotz Steigerung der Strecke von unter 150.000 Wildschweinen in den 60ern, auf heute fast 900.000 Wildschweine/Jahr nimmt deren Bestand in Deutschland dennoch, bzw gerade deshalb (!!) weiter zu. Auch hier hat die Hobbyjagd versagt, ihre eigenen Ziele der “Bestandsregulierung” weit verfehlt, kaufmännisch ergebnisorientiert aber schwer dazugewonnen, Jahr für Jahr!!! (dazu unten)
Aber dabei ging es garantiert nicht tatsächlich um den Inhalt des Artikels (Frisst Wolf Wildschweine?), sondern um die Aussagen der eilig zum “Fachman/frau” berufenen Interviewpartner, nein es geht dabei nur um die Imagepolitur. Bei all diesen Geschichten, erinnern wir uns auch an die angeblichen vielen aggressiven Wolfsbegegnungen, an denen die Menschen nur knapp, den Atem des Wolfes im Nacken spürend, entkamen, geht es nur darum, dass Worte im Gedächtnis bleiben, sich visualisiert unterstrichen am wirkungsvollsten verankern. Wolf frisst/reißt Wildschwein zB. Eigentlich normal, klar, sie ernähren sich zu 87,5% davon, das weiß auch fast jeder Jäger. Aber was bleibt tropfenförmig in unseren Köpfen zurück? “Wolf reißt”…., Bestie, Blut, töten usw.
Der Wolf ist der Konkurrent der Jagd, schmälert die Abschusszahlen und verändert angeblich das Wildverhalten.
Aber worum geht es wirklich? Insgesamt macht die Jagd in Deutschland einen Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Euro. (1996 noch 1,45 Mrd; Quelle “Die Welt”) Die Peripherie der Jagd umfasst gem. Überschlag noch einmal gut über 1 Mrd €. Alle bejagbaren Flächen, belaufen sich auf etwa 319.000 km² und umfassen damit rund 89 % der Gesamtfläche Deutschlands. 30-40 €/ha Jagdpacht sind zu entrichten. Auch rund 55.000-60.000 Tonnen Wildfleisch / Wildbreet (illegale Jagd nicht eingeschlossen) mit einem Gesamtwert von schätzungsweise rund 264 Millionen Euro wird erjagt.
Schon das Gesetz der Betriebswirtschaft fordert Wachstum. Unternehmen können nur überleben, wenn sie Gewinne machen. Es besteht also ein Wachstumszwang!  Vielleicht wird deshalb die Jagdprüfung immer einfacher und reduziert sich deshalb schon auf einen 9-Tage Online-Jagdschein.
Wenn doch zu beobachten ist, dass wir in Deutschland die höchste Wildtierdichte innerhalb Europas haben und nachweislich fast alle Wildtierarten extremst “trotz”, bzw eben wegen der Jagd in der Kopfzahl gestiegen sind, warum wollen wir dann gerade in den heutigen Tagen so weiter machen? Biodiversität ist der Schlüssel zur intakten vollständigen Natur, zu besserer Luft, sauberen Böden und Meeren.
Die extreme und jagdlich hervorgerufene Populationdynamik wird irgendwann zum Kollaps führen, schon jetzt leiden die Wälder, leidet das Ökosystem. Wollen wir das Thema weiterhin Hobbyisten anvertrauen ?
Bilder: #Sumpfohreule vom Aussterben bedroht. (Rote Liste) Große Verluste durch Abschuss auf den Wanderungen.

2 Kommentare zu „Umsatz Jagdbranche“

  1. Je mehr man von/über die Jagd erfährt umso mehr wird das Bild, welches sich über Monate gebildet hat gefestigt. Ganz am Anfang bin ich blind durch den Wald gelaufen und habe mich oft mit einem Jäger unterhalten, weil ich der Meinung war das dies alles richtig sei was dort passiert. Die Erzählungen von dem erlegten Wild fand ich zwar nicht wirklich schön, aber es hat mich nicht gestört. Heute, drei Jahre später versuche ich dieser Zunft aus dem Weg zu gehen. Meine Meinung habe ich mir Dank vieler toller Leute hier und eigenen Recherchen gebildet. Die Hobbyjagd ist ein System, ein Wirtschaftszweig und, wie der Name schon sagt, eine Freizeitbeschäftigung. Gerne bereichert man sich der Natur und der Wildtiere, die im Grunde uns allen gehören. Als Dankeschön dafür hat und bringt man unser komplettes Ökosystem und die Biodiversität in Gefahr und aus dem Gleichgewicht. Mittlerweile sind es Accounts wie der von den “Jagd-Brüdern” die zeigen wie das zum Teil funktioniert. Das Image schmückt man z.B. mit einer tollen Rehkitzrettung, damit viele sehen wie toll das doch ist – Eine Woche später fährt man dann nach Polen und schießt täglich mehrere Böcke und “Weizenschweine”. Ein weiterer Punkt den gerne mal erwähnen möchte ist folgender: In den letzten Tagen erreichten mich einige Nachrichten von Freunden, welche aus den Reihen der Jägerschaft angezeigt wurden und denen mit Repressalien gedroht wurde – Warum machen die das, wenn das alles so sauber ist was man da tut? Wieso stellt man sich nicht der Diskussion und äußert sich zu diesen Dingen auf eine sachliche Art und Weise? Ich glaube, das diese Leute genau wissen, das man Recht hat mit dem was man über Sie verbreitet, aber es wird verdrängt und als richtig bewertet. Ein weiteres Thema ist “Der Wolf und die Jagd” – das sind zwei Dinge die nicht zusammen passen und da muss man den Schutzstatus, den der Wolf genießt ganz klar bevorzugen. Seitens der Jägerschaft wird jede Chance genutzt um Stimmung gegen Ihn zu machen und das auf teilweise unseriöse Art und Weise. Ein Generalverdacht reicht aus um wilde Hetzkampagnen gepaart mit den Ängsten der Bürger zu starten um eine Bejagung oder sogar eine neue Ausrottung zu fördern. Dazu verschönert man Daten, Fakten und Messungen so, das man weiter Hetzen kann und der unwissende Bürger das aufnimmt. Die Realität sieht leider ganz anders aus, das habe ic versucht in meinem gestrigen Beitrag mal aufzulegen. Wohin der Weg beim Thema Wolf geht wird sich zeigen – ich habe aber ein mulmiges Gefühl. Das einzig positive ist die Gesamtentwicklung unseres Ökosystems. Auch wenn die Jagdstrecke jährlich steigt komme eine Tierarten zurück zu uns und das muss man positiv bewerten.Nun, aber zum Bild: Wow, da hast Du im richtigen Moment abgedrückt – eine Sumpohreule zu sehen ist schon eher selten, aber sie dann so ablichten zu können ist ein wunderbarer Moment. Glückwunsch dazu und Danke für deinen tollen Bericht und die Recherche😊🤝🏻🐺

  2. Ein sehr informativer und gut recherchierter Beitrag, der hoffentlich viele Leute erreicht und ein Umdenken über Jagd und deren Verbände fördert.
    Diese ständigen Mantras der Verbände, der Hege und Pflege zu dienen, Naturschutz zu betreiben, hat nicht nur den Hintergrund, die Jagd damit zu begründen. Die Verbände werden als gemeinnützige Vereine betrieben und die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch die Behörden ist an gesetzliche Voraussetzungen geknüpft, wie zum Beispiel Förderung von Wissenschaft und Forschung, Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes. Ist die Gemeinnützigkeit erstmal anerkannt, sind Vereine von der Körperschaftssteuer befreit und die Mitglieder können ihre Spenden steuerlich absetzen.
    Interessant ist auch, dass die Jagdverbände Partnerschaften mit Unternehmen eingegangen sind und für die Mitglieder Rabatte bei der Beschaffung von Material ausgehandelt haben. Betrifft sogar die Anschaffung bestimmter Fahrzeuge. Um die Gemeinnützigkeit zu untermauern, gibt es sogar eine (wie bei großen Wirtschaftsunternehmen) eine Stiftung „Jägerstiftung natur + mensch – der politische blog“. Diese Stiftung betreibt auch Imagepflege und ist tatsächlich nah dran an der Politik.
    Die Politik übernimmt auch gern Schirmherrschaften und lässt sich medienwirksam mit Leuten in den Verbänden ablichten. Weiß man nun noch, dass auch in Spitzenpositionen der Naturschutzverbände Jäger sitzen, verwundert der große politische Einfluss überhaupt nicht mehr. Genau das haben aber die Wolfsschutzverbände versäumt. Statt miteinander Großes zu bewirken, arbeiten sie oft sogar gegeneinander. Gönnen sich gegenseitig die Butter auf dem Brot nicht. Ich hoffe, die Grünen in Bayern (die mittlerweile nicht mehr gegen den Abschuss von Wölfen in den unwirtlichen Alpenregionen sind) und unser Umweltminister Meyer bekommen noch die Kurve. Sonst sehe ich hier wirklich schwarz.

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