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Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Weidetierhalterin und Biologielehrerin Michaela Sauthoff-Kaiser, (Instagram auch @michaela_sauthoff_kaiser), Examensarbeit Lebensraum Totholz. Vielen lieben Dank für die fantastische Zusammenarbeit, liebe Michaela!
Verbiss vs. Schäden
Das Thema Verbiss wird oft zitiert und als Legitimation für das Erschießen von über 2 Millionen Wildtieren der pflanzenfressenden Art pro Jahr angeführt. Genau wie das Argument der angeblich notwendigen Bestandsregulierung ist dies ein Vorwand, denn alle Wildtierbestände würden sich, wie auch Millionen Jahre zuvor, selbst regulieren. Das dann auf einem wesentlich niedrigeren Bestandsniveau, als durch die heutige Jagd verursacht – und das selbstverständlich auch in einer Kulturlandschaft. (siehe Linksammlung Homepage)

An genau diesem Punkt hängen jedoch auch für uns alle unglaublich viele für unsere Natur wichtige Themen, wie der Fuchs, der Wolf, die Biodiversität, das Artensterben usw. Deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen, jeden Stein umzudrehen, alles infrage zu stellen, nicht einfachen Meinungen zu vertrauen, sondern Überlegungen durch wissenschaftliche Expertisen zu begleiten. Da draußen gibt es nur eine Natur, nur einen ‚Wald‘, und der wird schwer belastet. 87 % aller bundesdeutschen Flächen, auch Naturschutzgebiete, stehen der Jagd zur Verfügung, nie aber tatsächlich der Natur. Der Wald aber, unsere existenzielle Grundlage, gehört uns allen.
Bestandsregulierungen von Schalenwild sind in einer Kulturlandschaft notwendig, um die Anzahl des Wildes zu korrigieren und „Verbissschäden“ zu reduzieren. Solche „Schäden“ treten auf, wenn Schalenwild, wie Rehe, Hirsche und Damwild, junge Triebe, Knospen und die Rinde von Bäumen frisst und/oder schädigt.
Das ist der Beginn einer typischen Argumentationskette, eine ‚Meinung‘ nur, mit welcher der Gesellschaft eigentlich ökonomische Probleme als ökologische verkauft werden. Vonseiten der Jägerschaft dann den, zumindest aus deren Betrachtung sinnvollen, vollkommen überflüssigen und jährlichen Abschuss von über 2 Millionen Rehen und Hirschen (Schalenwild) zur eigenen Bedürfnisbefriedigung zu legitimieren. Dazu sehr zu empfehlen ist ein Kurzvideo des Försters Peter Wohlleben in den Links.
Uns geht es aber um Aufklärung und um wissenschaftliche Betrachtungsweisen – nicht um schlichte Meinungen. Eine Meinung ist schnell in die Menge geworfen, Wissenschaft hingegen muss aufwendig gemessen werden, bedarf der Beweise und der Neutralität.
Verbissschäden gibt es nicht in der Natur!
Wir müssen das Wort trennen in Verbiss und Schäden, um zu begreifen. Verbiss ist dringend notwendig, ein wichtiger Bestandteil natürlicher und grundlegender Prozesse – dazu später mehr. Die stets erwähnten „Schäden“ sind lediglich eine den Ertrag der Holzwirtschaft schmälernde Größe, mehr nicht.
Gern wird aber in diesem Zusammenhang zur Legitimation der Bedürfnisbefriedigung der Hobbyjagd suggeriert, dass die Pflanzenfresser den kompletten Wald wegfressen und sich zudem noch ins Unendliche vermehren, sie daher angeblich im Bestand dann „reguliert“ werden müssen. Doch betragen diese Verbissschäden nicht einmal 2 % aller Holzplantagenschäden. Vielmehr sind es menschengemachte Schäden, Klimawandel, Trockenheit, Stürme, Feuer, Borkenkäfer usw., die den Holzplantagen zusetzen, auch dazu später mehr.

Tatsächlich gibt es zahlreiche Stellen, an denen der Verbiss sogar für den Laien sichtbar wird. Vielleicht ist dieser sogar gewollt, wenn z. B. Rotwild durch Zäune und fehlende Wildtierbrücken an landschaftszerschneidenden Autobahnen mit ihren Schutzzäunen an Wanderungen behindert, oder, obwohl Wild grundsätzlich herrenlos ist, eingegattert (eingezäunt) wird.
Insbesondere dort tragisch, wo der Wolf schon präsent ist, der das Wildtierverhalten eigentlich hinsichtlich der Art der Bewegungen auf natürliche Weise ändert. (Stichwort trophische Kaskade, siehe unten). In manchen Gebieten werden große Mengen an Feldfrüchten für das Wild ausgebracht (solche stets verbotenen Fütterungen bitte immer der Jagdbehörde melden). Zudem gibt es neuerdings die, für die Behörden wohl unauffälligere Methode, den Zaun eingezäunter Maisfelder in zeitlichen Abständen nach hinten zu versetzen – nicht nur ein einfacher dann entstehender Agrarschaden, sondern auch eine daraus resultierende von der Jagdbehörde geforderte höhere Abschussquote. Gut für den, der hier Landwirt und Jäger in einem ist. Dazu https://naturdigital.online/den-weg-keinesfalls-verlassen
Alle Tatsachen, Daten, Fakten und Messungen werden ignoriert. Entgegen einer „Regulation“ werden die Jagdstrecken bei fast jeder Tierart seit gut 30 Jahren dann jährlich länger, immer größer und erreichen, wie in einschlägigen Jagdmagazinen, auch in den offiziellen Jagdstrecken des DJV, zu lesen ist, wahre Rekorde. Zudem wird das Schalenwild, das natürlicherweise viel lieber im Freiland auf Nahrungssuche gehen würde, durch die starke Bejagung in die Wälder ‚gedrückt‘, wo es zwangsweise auf Knospen und junge Triebe ersatzweise ausweichen muss.
Verbiss ist natürlich,
ist ein wichtiger Beitrag in einem natürlichen Waldökosystem und hat hinsichtlich der Symbiose der verschiedensten Tierarten sogar eine wichtige Bedeutung in der Biodiversität. So wird in gewissen Arealen Verbuschung verhindert und es entstehen offene Lebensräume, die eine große Artenvielfalt nach sich ziehen und so erst vielen anderen Pflanzen und Tierarten existenziellen Raum geben, dann quasi erst „eingeladen“ werden. In den Monokulturen, den Holzplantagen, bleibt die Einladung aus, sind die Bedingungen nicht vorhanden.
Das Wachstum vieler Gräser, Sträucher, Büsche und Bäume wird durch den Verbiss an Bäumen erst gefördert, und die dadurch entstehenden vielverzweigten Bäume erhalten eine große ökologische Wertigkeit, was allerdings auf den Holzplantagen der Wirtschaftswälder nicht gewünscht ist. Im Naturwald und in Bezug auf dessen hohe Biodiversität spielen Rothirsche, auch dieser Tage rückkehrende Elche und Wisente, als große Pflanzenfresser und wahre Biodiversitätsbringer, eine wichtige Rolle. Sie sind die wichtigen Landschaftsarchitekten von Mutter Natur.
Echte Naturwälder sind keine extrem dicht verwilderten und undurchlässigen „Dschungel“, sondern Mosaiklandschaften, wie eine 2023 erschienene Studie des Dänen Prof. Christian Svenning belegt. Freiflächen und lichte Waldränder sind Lebensräume für z. B. Waldameisen, die gut besonnte Flächen und stufenweise aufgebaute Waldränder benötigen. Waldameisen verbreiten 150 Pflanzenarten und beheimaten in ihren Nesthügeln die Larven von Schmetterlingen und Käferarten, die wiederum Nahrungsgrundlage für andere Arten sind. Insgesamt profitieren etwa 3.500 unterschiedliche Arten von solchen blühenden Freiflächen. So funktioniert Biodiversität, daraus resultiert erst Artenvielfalt. Genau das aber wird in unserem gegenwärtigen gesellschaftlichen Kurs nicht gefördert, im Gegenteil: Das größte Artensterben der Geschichte wird hier massiv unterstützt.

Auch ist Naturwäldern ein hoher Totholzanteil zu eigen, der nicht nur wertvoller Lebensraum ist, sondern bewirkt, dass Waldbrände weniger intensiv sind, da der Brand in echten Wäldern oft nur geringere Temperaturen erreicht und dabei flach lodert. Grund dafür ist die hohe Speicherkapazität für Wasser im auf dem Boden liegenden Totholz und in nicht verdichteten Böden, wie sie heute durch den Einsatz schwerer Maschinen wie dem Harvester zur Holzernte, verursacht wird. Auch Alexander Held, Leiter des Projekts „Waldbrand Klima Resilienz“ am European Forest Institute Bonn, vertritt die Ansicht, dass, je mehr sich ein Wald wieder zum Naturwald entwickeln darf, desto seltener und unschädlicher es darin brennen wird. Erst unsere Holzplantagen, erzeugen Brände mit extremen Temperaturen und extremen, sehr heißen Feuerwalzen, in denen alles verbrennt, selbst Dörfer schnell verschlungen werden, Feuerwehren nur noch evakuieren lassen können.
So massiv der Wildverbiss und das damit verbundene jagdliche Management thematisiert werden, so gering scheint die Waldschädigung durch Wildtiere tatsächlich zu sein, denn diese angeblich „schwerwiegenden Schäden“ erscheinen nicht einmal in der seit 1984 erscheinenden jährlichen Waldzustandserhebung (früher Waldschadensbericht) der Bundesregierung. Auch die Waldzustandserhebung aus dem Jahr 2024 erwähnt diesen Faktor nicht, nennt wohl aber den kritischen Kronenzustand durch klimatischen Dauerstress, Insekten (Borkenkäfer) und Pilzbefall – Faktoren, die in einem natürlichen Wald ebenfalls nur eine selektierende Rolle spielen würden. Hinzu kommen hohe Luft- und Bodenbelastungen durch Industrie, Verkehr und Landwirtschaft, sowie intensive Forstwirtschaft mit schwerem Gerät.
Katastrophale Ergebnisse liefert hier das Earth Observation Center (EOC) per Satellit. So stellte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) fest, dass von Januar 2018 bis einschließlich April 2021 in Deutschland auf rund 501.000 Hektar Fläche Baumverluste verzeichnet wurden, was fast fünf Prozent der gesamten Waldfläche ausmacht und damit erheblich höher ist, als bisher angenommen. Als Gründe werden Monokultur, Extremwetter und Insekten aufgeführt.
Wald wird verfeuert
Zudem wird nun das Wirtschaftssystem Wald zusätzlich im wahrsten Sinne des Wortes Be(ver)feuert – durch die Abschaffung der Atomkraft und den Ausstieg aus der Kohle, dem aber weiterhin großer Energiebedarf gegenübersteht. Seit 2022 stuft die EU das Verbrennen von Holz als erneuerbare Energie ein. Doch das hat gravierende Auswirkungen auf die Wälder und ist dabei weder nachhaltig noch klimaschonend – geschweige denn klimaneutral. Denn, wir benötigen genau unsere Wälder, um den CO₂-Gehalt zum Beispiel aus der Landnutzung zu reduzieren.
Wie Holzverbrennung den Klimawandel befeuert, warum Deutschland tatsächlich viertgrößter Holzexporteur wurde = Google-Eingabe: „Kraftwerke Pellets Wald“. Bitte einfach mal die vielen seriösen Schlagzeilen anschauen, es ist unglaublich.

Um von den großzügigen Subventionen der EU zu profitieren, stellen nun vermehrt Kohlekraftwerke in ganz Europa auf Holz um. Das hat dramatische Folgen für Europas Wälder, denn mittlerweile werden 55 % der gerodeten Wälder schlichtweg verbrannt. Das sind die wahren und gigantischen „Verbissschäden“, erzeugt vom Harvester – der Holzernte-Maschine, deren Einsätze auch die Verdichtung des Bodens nach sich ziehen.
Gesunder Wald, in dem alle Altersklassen zu finden sind, und der von Vielfalt und Artenreichtum geprägt ist, benötigt 80–120 Jahre, um Biodiversität anbieten zu können. Wie lächerlich erscheinen einem da zwei Prozent „Verbissschäden“ vom Holzertrag in der Holzwirtschaft, eine vom Zoologen Carlo Consiglio von der Universität Rom ermittelte durchschnittliche Zahl. Doch dies scheint dennoch die Tötung von 5 Millionen Wildtieren pro Jahr, wovon über 2 Millionen Tiere Schalenwild sind, zu rechtfertigen – das zumindest soll der Gesellschaft glaubhaft gemacht werden, um der Bedürfnisbefriedigung des Erschießens, dann sogar noch mit dem Label Naturschützer nachgehen zu können.
Wie schädigend sich die Jagd auf natürliche Prozesse auswirkt, wird aktuell im Hainich und dem angrenzenden Thüringer Kindel, einem dürren Gebiet, deutlich. Biologe Herbert Nickel betreut dieses Gebiet seit vielen Jahren und blickt besorgt auf die Tatsache, dass der Kindel zu verbuschen droht, wodurch schon jetzt Arten verschwinden. Auch hier fehlen große Herbivoren. Nach wie vor darf auch im Nationalpark Hainich gejagt werden. Lediglich die Jagd auf Rehwild ist seit 2012 innerhalb des Waldes verboten.
Wenn wir die Chancen noch nutzen wollen,
müssen wir Prädatoren wie Wolf und Luchs, sogar den Bären zulassen. Nur mit ihnen ist Natur wieder aufzubauen, siehe dazu auch Beiträge und Quellen zuvor.
Z. B. https://naturdigital.online/praedatoren-und-kulturlandschaft/
Wir sollten schnellstmöglich das von der EU 2020 festgeschriebene „Nature Restoration Law“ dringlichst in Angriff nehmen. Demnach sollen bis 2030 mindestens 30 Prozent der Fläche Europas wieder echte Wildnis sein – selbst Jäger wie Prof. Dr. Dr. Sven Herzog sprechen sich mittlerweile sogar dafür aus, mindestens 10 % der geforderten Fläche dann besonders zu schützen und hier, ohne jagdlichen Eingriff, die Natur sich vollständig selbst zu überlassen (siehe Anlage)
– Rewilding ist die Zukunft, die einzige Zukunft –
Hirsche (Rotwild), hier die „Männertruppe“ Ende Juni noch in der Geschlechtertrennung. Das Geweih der auch in dieser Phase genannten Kolbenhirsche, wird noch mit Nährstoffen aus dem blutreichen Bast versorgt. Das Wachstum kann im besten Alter tatsächlich bis zu 2 cm/Tag betragen, lässt dann aber wieder im Alter nach.
Quellen:
Wohlleben, Peter, „Was ihr über Wildverbiss wissen müsst.“
https://www.youtube.com/embed/wK-dIsNTn8c?si=DK1CwQKwFGh4y8ky
GEO, wie unsere Wälder wirklich aussehen müssten
https://www.geo.de/natur/oekologie/21984-rtkl-waldgipfel-wie-unsere-waelder-aussehen-und-wie-sie-eigentlich-aussehen
Prof. Dr. Dr. Sven Herzog, ab Min. 5:45 im Interview
https://www.youtube.com/embed/dCfwcl8ma1k?si=xQay_nlN08OPTzyS“ title=
Trophische Kaskade
https://www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/yellowstone-woelfe-architekten-des-oekosystems-100.html
Echte Naturwälder, von Prof. Christian Svenning
https://rewildingeurope.com/blog/making-nature-work-again-an-interview-with-jens-christian-svenning/
Lisa Gebhard (Artikel aus „Naturschutz heute“ 4/21/ Faszination Rothirsch)
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0181187
Waldzustandsbericht:
https://www.wald.de/waldwissen/waldschaeden/waldzustandsbericht-2024/
Wie sieht echter Wald aus:
https://www.spektrum.de/news/europa-von-wegen-dicht-bewaldet/2198486?
Borkenkäfer und Dürre:
https://www.deutschlandfunk.de/20-milliarden-euro-schaeden-durch-borkenkaefer-und-duerre-seit-102.html
Kraftwerke und Pellets:
https://taz.de/EU-Subventionen-fuer-Pellets/!5942860/
Eingabe „Kraftwerke Pellets Wald“
https://www.google.com/search?q=kraftweke+pellets+Wald&source=hp&client=firefox-b-m&sca_esv=585840574&channel=ts&oq=kraftweke+pellets+Wald&gs_l=mobile-heirloom-hp.12..0i512i546j0i649i546j0i512i546.7460.21177.0.21773.26.23.2.1.0.0.325.2235.12j7j0j1.23.0….0…1.1j4.34.mobile-heirloom-hp..4.22.2245.WPDr5_70e30
Weitere interessante Links in meiner „Linksammlung“.

Lieber Guido und auch liebe Michaela, ich Danke Euch für Eure super gute Aufklärungsarbeit.
Was ich immer so unglaublich finde ist, dass mir das schon von Anfang an klar war, dass diese Holzpellets,dass verderben der Wälder sind und ich habe NICHTS studiert, ich habe nicht mal in der Schule gut aufgepasst, da ich schon als Kind lieber aus dem Fenster geschaut habe, um die Tiere zu beobachten….
Es geht nur noch um Profit, Macht und Gier. Der Mensch wird dumm gemacht und die wenigen Durchblicker werden zu wenig gehört.
Ihr müsstet ins Fernsehen und zwar immer und immer wieder, bis auch der Letzte mal versteht, dass wenn wir so weitermachen, wir uns selbst auslöschen. Ich weiss,ich hab alles etwas drastisch gesagt, doch so erlebe ich im täglichen Leben, die Welt. Es fehlt an RESPEKT vor dem LEBEN eines jeden WESEN.
DANKESCHÖN für Eure tolle Recherche, Danke für Deine Klasse Linksammlung und ich gebe alles was ich kann, dass Ihr gehört werdet.
Liebe Stephanie,
ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, doch eins ist mir wichtig – niemand muss studieren, um die Welt zu verstehen. Im Gegenteil! Ich bin täglich von studierten Menschen umgeben, die das Gegenteil von dem tun, was für unsere Natur, unsere Zukunft, sinnvoll wäre. Du trägst das in dir, was vielen nicht bewusst ist – möchte ich einen Hund verstehen, frage ich keinen Hundetrainer, möchte ich ein Pferd verstehen, frage ich keinen Reitlehrer…. du nimmst wahr.
ich danke dir dafür!
Der Verbissschaden ist eine von vier möglichen Schäden, die Wildtiere anrichten können. Weitere Arten von Wildschäden wären Fege-, Schäl- und Umwühlungsschäden.
Nach dem Bundesjagdgesetz (§ 29 BJagdG) ist der Jagdpächter oder die Jagdgenossenschaft für Wildschäden an land- und forstwirtschaftlichen Flächen verantwortlich, der die Kosten dann im Rahmen des Jagdpachtvertrags tragen muss. Das dürfte dann auch ein möglicher Grund sein, warum solche Schäden immer genannt werden, wenn es darum geht die Notwendigkeit der Jagd zu begründen.
Genau betrachtet ist es doch ein Unding, das solche Schäden finanziell bzw. wirtschaftlich geltend gemacht werden, denn Wildtiere sind auch ein Lebewesen genau wie wir Menschen auch. Wer bezahlt eigentlich für die Schäden, die wir anrichten? Genau – die Natur und ihre Lebewesen!
Wenn ich so durch die Wälder gehe ist mir in den letzten Jahren eines ganz besonders aufgefallen in Bezug auf die Forstwirtschaft. Werden irgendwo ganze Areal gerodet geschieht dies über Rückegassen. Diese findet man mittlerweile alle 10 bis 20 Meter und dort wird alles platt gefahren. Sind das nicht auch Schäden? Schäden weswegen man Tiere abschießen muss?
Ich danke euch für diesen wieder mal sehr informativen Beitrag. 🐺🐾🤝
Lieber Guido,
ich möchte an dieser Stelle unseren gemeinsamen Beitrag kommentieren. Natürlich nicht inhaltlich, sondern auch ich möchte mich aufrichtig bedanken. Diese zweite Co-Produktion war für mich wieder unglaublich wertvoll, nicht nur, was den die intensiven Recherchen angeht, sondern auch hinsichtlich der Art und Weise, wie letztendlich der gemeinsame Beitrag entsteht.
Eine Zusammenarbeit, geprägt von freundschaftlichem und respektvollen Miteinander auf Augenhöhe, ist beileibe nicht selbstverständlich, und der während der weiterführenden Recherchen erfolgende Erkenntnisgewinn macht es oftmals schwer, einen Beitrag auf ein gesundes Maß zu reduzieren – doch auch das ist gelungen. Dafür, für den regen Austausch und alles andere noch einmal ein großes Dankeschön an dich.
Zudem wünsche auch ich allen Leserinnen und Lesern viel Freude beim Lesen unseres Beitrags und beim Hören der fantastischen Audioversion.
Danke, für eure bisherige und zukünftige Unterstützung.
In diesem Sinne, herzlichst
Michaela.
Mit allem, was wir tun, üben wir einen Einfluss aus. Dazu zählt z.B. unsere Ernährung, die Art der Mobilität, unsere Art der Freizeitgestaltung.
Vereinfacht kann man sagen, schädigen wir die Natur bei all unserem Tun viel mehr, als dass wir ihr in arbeits- und kostenaufwendigen Naturschutzprojekten, versuchen zurückzugeben.
Die Hobbyjagd als Form der Freizeitgestaltung hat für die (Wild-)Tierwelt, Natur und unsere Existenz allgemein, einen besonders hervorzuhebenen, extremen Einfluss. Als Natur- und Artenschutz deklariert, behindert und verhindert sie etliche Projekte, ja sogar Gesetzesänderungen für beispielsweise mehr Tierwohl.
Recht einfach lässt sich der breiten Masse verkaufen, dass der Verbiss, den das Schalenwild „anrichtet“, diese aberwitzige Zahl von 2 Mio. Abschüssen rechtfertigt. Man erwähnt einfach nicht, dass dies ein völlig natürliches, enorm wichtiges Verhalten ist. Auch nicht, dass diese Tiere zur Waldverjüngung beitragen.
Belegt wird das durch eine Schweizer Studie, die heraus fand (es ist also wissenschaftlich belegt!), dass an Wildwechseln mit Reh- und Hirschwild, 30x mehr Keimlinge vorhanden sind, als an selbigen ohne sie. Somit ist es alles andere ein Erfolg, immer mehr Schalenwild zu töten!
Dazu kommen die Märchen über den Wolf, an dessen Ende man sich als Befreier, oder Held darstellt, der die kinderfressende Bestie managen und ihr die „Scheu“ vor dem Menschen bewahren muss.
Warum schreibe ich das? Worauf will ich hinaus?
Ganz einfach…Ohne die Hobbyjagd, wie sie hierzulande praktiziert wird, stünden ganz viele Themen nicht zur Diskussion.
Dabei denke ich beispielsweise an die brutale, perfide Fuchsjagd, insbesondere auch die Ausbildung der Jagdhunde in Schliefenanlagen. Aber auch an die illegale Bejagung geschützter Tierarten, wie Wolf und Seeadler, oder Biber.
Diese Themen würden nicht ständig befeuert werden, würden für keine großen Schlagzeilen taugen.
Man würde sich mit all dem arrangieren, man würde koexistieren.
Außerdem könnte man sich endlich den wichtigen Themen, wie der Biodiversität, dem Tierwohl, dem Rewilding widmen.
Das müssen wir, die wahrhaftig den Schutz der Natur im Fokus haben, begreifen.
Hier müssen wir zusammenfinden!
Es spielt keine Rolle, ob wir dem Wolfs-, Fuchs-, Vogel-, Waldschutz, oder was auch immer entspringen.
Der Ursprung, der so viele tolle Ansätze blockiert, findet sich in der Hobbyjagd wieder und dem können wir nur gemeinsam etwas entgegensetzen.
Guido und Michaela, danke für eure klasse Recherche, und diesen herausragenden Beitrag!