Prädatoren und Kulturlandschaft

 

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Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Weidetierhalterin und Biologielehrerin Michaela Sauthoff-Kaiser, (Instagram auch @michaela_sauthoff_kaiser). Vielen lieben Dank für die Zusammenarbeit, liebe Michaela!

 

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Prädatoren, Revierjagd und Kulturlandschaft

Kulturlandschaft ist nicht gleich Natur

Deutschland besteht in weiten Teilen aus der viel zitierten Kulturlandschaft, also aus einer vom Menschen geprägten Landschaftsform. Eine 2019 veröffentlichte globale Kartierung kam zu dem Ergebnis, dass nur rund 5 Prozent der eisfreien Landfläche keine messbare physische Veränderung durch die untersuchten menschlichen Einflüsse aufwiesen. Diese Zahl ist von der verwendeten Methode abhängig und wird in der Forschung durchaus diskutiert. Sie macht dennoch die Größenordnung sichtbar. Der überwiegende Teil der Landoberfläche ist menschlich beeinflusst. Daraus zu folgern, es gäbe keine Naturlandschaft mehr, wäre jedoch falsch. Zwischen unberührter Wildnis, naturnahen Räumen und intensiv genutzter Kulturlandschaft bestehen entscheidende Unterschiede.

„Dicht besiedelt“ ist auch oft in Verbindung mit „Kulturlandschaft“ zu lesen. Zum 31. Dezember 2024 entfielen 14,6 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands auf Siedlungs- und Verkehrsflächen, 50,2 Prozent auf Landwirtschaft, 29,9 Prozent auf Wald und 2,3 Prozent auf Gewässer. Waldfläche ist dabei nicht automatisch Naturwald. Ein erheblicher Teil wird forstwirtschaftlich genutzt und ist eher Produktionsraum als frei ablaufendes Ökosystem.

Deutschland verfügt über zahlreiche Schutzgebiete. Mit Stand Ende 2023 bestanden 9.012 Naturschutzgebiete. Einschließlich der Meeresflächen und der ausschließlichen Wirtschaftszone entsprachen sie 6,6 Prozent der Gesamtfläche, an Land jedoch nur 4,1 Prozent. Die 16 Nationalparke umfassen ohne ihre Meeresflächen rund 0,6 Prozent der terrestrischen Fläche. Diese Kategorien überschneiden sich teilweise und dürfen deshalb nicht einfach addiert werden. Entscheidend ist ohnehin nicht allein das Etikett eines Schutzgebietes, sondern wie viel Naturentwicklung dort tatsächlich ohne Jagd, Forstwirtschaft und andere Nutzungen zugelassen wird. Wir haben also in unserer jagdlich geprägten Kulturlandschaft durchaus noch die Chance auf echte und wichtige Naturlandschaft. Mit Grünbrücken, Wildtierpassagen und einem Netz zusätzlicher Prozessschutzräume ließen sich Lebensräume verbinden und der notwendige genetische Austausch fördern. Stattdessen werden vielerorts Saumbiotope und andere Wanderkorridore beseitigt, während Prädatoren unter dem Siegel des Naturschutzes verfolgt oder zur jagdlichen Zuständigkeit erklärt werden.

 

Wenn aus Lebensraum ein Revier wird

An dieser Stelle beginnt der blinde Fleck der deutschen Revierjagd. Das Bundesjagdgesetz verbindet auf einem bestimmten Gebiet die ausschließliche Befugnis zur Hege, Jagdausübung und Aneignung mit einer gesetzlichen Hegepflicht. Diese Konstruktion erzeugt eine exklusive Zuständigkeit über dem Jagdrecht unterliegende Tiere, die lebend nicht im Eigentum eines Revierpächters stehen. In der täglichen Revierlogik werden daraus dennoch schnell „mein Wild“, „mein Bestand“ und „meine Strecke“. Aus Lebensraum wird Zuständigkeitsfläche, aus öffentlicher Natur ein gefühltes Hoheitsgebiet.

Wer für ein Revier bezahlt, plant mit diesem Revier und erwartet dort jagdlich nutzbare Wildtiere. Ein leeres Revier besitzt kaum jagdlichen Wert. Genau daraus entsteht ein struktureller Zielkonflikt. Dasselbe System, das hohe Bestände beklagt und ihre Reduzierung als Pflicht bezeichnet, hat zugleich ein Interesse daran, dass dauerhaft genügend Tiere für Beobachtung, Strecke, Wildbret und Trophäe vorhanden bleiben. Die Revierjagd ist deshalb nicht nur eine organisatorische Form der Jagd. Sie ist ein Wahrnehmungsrahmen, der freie Wildtiere in planbare Bestände und zusammenhängende Lebensräume in konkurrierende Verwaltungszellen verwandelt.

Hege zwischen Fürsorge und Bestandsförderung

Auch der Begriff Hege klingt zunächst nach Fürsorge. Die jagdrechtliche Hege richtet sich jedoch auf jene Arten, die dem Jagdrecht unterliegen, und ist damit kein umfassender Schutz der Natur. Sie kann sinnvolle Lebensraummaßnahmen umfassen, sie kann aber ebenso zur gezielten Förderung jagdlich interessanter Arten und Bestände werden. Fütterungen, Kirrungen, Wildäcker, Salzlecken, stehen gelassene Maisstreifen und jagdliche Biotopgestaltung sind ökologisch keine neutralen Handlungen. Ihre rechtliche Zulässigkeit unterscheidet sich nach Tierart und Landesrecht, ihre Wirkung bleibt jedoch dieselbe. Sie binden Tiere an Räume, verändern Wanderungen und Verhalten, erhöhen örtlich die Aufenthaltswahrscheinlichkeit, verbessern die Kondition und erleichtern den späteren Abschuss.

Besonders sichtbar wird diese Logik an den Grenzen benachbarter Reviere. Zieht Wild über die Pachtgrenze, entsteht leicht der Wunsch, es im eigenen Bereich zu halten oder zu schießen, bevor es im Nachbarrevier geschossen wird. Fütterung und Kirrung werden dann nicht nur zu Lockmitteln, sondern zu Besitzwerkzeugen einer internen Konkurrenz. Wer Tiere füttert, lockt, räumlich bindet und anschließend ihre hohen Bestände beklagt, beschreibt kein reines Naturproblem, sondern ein teilweise selbst erzeugtes Systemproblem. Die Illusion der Regulierung beginnt deshalb nicht erst mit dem Schuss, sondern lange vorher.

 

Prädatoren als Konkurrenten des Reviersystems

Das deutsche Jagdsystem ordnet zahlreiche Prädatoren dem Jagdrecht zu. Dazu gehören unter anderem Fuchs, Wolf, Luchs, Wildkatze, Fischotter, Seehund sowie Greifvögel und Falken. Die Aufnahme ins Jagdrecht bedeutet nicht automatisch, dass diese Arten geschossen werden dürfen. Viele sind zusätzlich streng geschützt oder ganzjährig geschont. Sie verschiebt sie jedoch sprachlich und institutionell in den Zuständigkeitsbereich der Jagd. Andere Prädatoren, die dem Naturschutzrecht unterliegen, werden ebenfalls häufig aus der Perspektive menschlicher Nutzung bewertet. Entscheidend ist daher nicht die pauschale Behauptung, jeder Prädator werde legal bejagt. Entscheidend ist das Denkmuster, nach dem Fleischfresser schnell als Konkurrenten um Wild, Fisch, Niederwild, Trophäen oder Revierwert erscheinen.

Die Argumentationskette beginnt meist mit „in einer Kulturlandschaft“ und endet oft mit „müssen Wildtierbestände reguliert werden“. Wildtierpopulationen besitzen jedoch eigene Regulationsmechanismen. Ihre Dichte und Entwicklung werden durch Nahrung, Raum, Klima, Krankheiten, Sozialstruktur, Fortpflanzung, Abwanderung, Zuwanderung und Prädation begrenzt. Jagd kann Bestände örtlich und vorübergehend senken, sie setzt diese biologischen Gesetzmäßigkeiten aber nicht außer Kraft. Wo Fütterung, Landwirtschaft oder jagdliche Raumgestaltung die Umweltkapazität künstlich erhöhen, behandelt ein steigender Abschuss nur die Folge. Die Ursache bleibt bestehen. Siehe auch Jagd oder Naturschutz auf naturdigital.online und die Anlagen.

Völlig unberücksichtigt bleibt in der jagdlichen Selbstdarstellung häufig, dass der Mensch natürliche Prädation nicht ersetzen kann. Prädatoren sind allerdings nicht für einen einzigen Zweck „erschaffen“ worden. Eine solche Formulierung wäre biologisch zu zielgerichtet. Sie erfüllen mehrere ökologische Funktionen zugleich. Sie üben Selektionsdruck auf Aufmerksamkeit, Verhalten, Kondition, Gesundheit, Alter und Raumnutzung ihrer Beutetiere aus. Sie beeinflussen Dichten und Bewegungsmuster, begrenzen kleinere Prädatoren, stellen Aas für andere Arten bereit und verändern über Nahrungsketten ganze Lebensgemeinschaften. Natürliche Selektion ist ein wesentlicher Teil dieser Wirkung, aber nicht ihre einzige Funktion.

 

Evolution braucht genetische Vielfalt

Die Evolution ist ein fortlaufender, lebenserhaltender Prozess, der selbstverständlich auch heute stattfindet und stattfinden muss. Sie erklärt die Vielfalt und Anpassungsfähigkeit des Lebens auf der Erde. Ein zentrales Prinzip ist die natürliche Selektion. Sie begünstigt nicht schlicht die körperlich stärksten Tiere, sondern jene Individuen, die unter den jeweiligen Umweltbedingungen am besten angepasst sind. Was heute vorteilhaft ist, kann unter veränderten Bedingungen morgen bereits zum Nachteil werden. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist genetische Vielfalt deshalb keine biologische Nebensache, sondern die Voraussetzung dafür, dass Populationen auf neue Belastungen reagieren können.

Mit der Veränderung klimatischer Bedingungen steigt der Selektionsdruck. Lebensräume verändern sich in einem Tempo, das die Anpassungsfähigkeit vieler Arten überfordern kann. Populationen müssen sich genetisch oder im Verhalten anpassen, ihren Lebensraum verlagern oder sie verschwinden regional. Migration verändert wiederum Ökosysteme und die genetische Zusammensetzung von Populationen. Breit angelegte Untersuchungen aus Europa weisen darauf hin, dass der Klimawandel genetische Vielfalt besonders dort gefährdet, wo Populationen klein, isoliert oder bereits durch andere menschliche Einwirkungen geschwächt sind.

Ist eine Wildtierpopulation bereits durch Lebensraumverlust, Zerschneidung, geringe Größe oder eine intensive und selektive Bejagung geschwächt, steigt ihre Anfälligkeit für genetische Verarmung. Nicht jede Jagd ist automatisch Übernutzung. Dauerhafter hoher Jagddruck und die wiederholte Entnahme bestimmter Altersklassen, Geschlechter oder auffälliger Merkmale können jedoch Sozialstruktur, Reproduktion, Verhalten und langfristig auch die genetische Zusammensetzung verändern. Damit kann genau jene Anpassungsfähigkeit beeinträchtigt werden, die angesichts des Klimawandels dringend benötigt wird. Siehe Anlage.

 

Wenn menschliche Auswahl die Entwicklung verändert

Betrachtet man den zusätzlichen Druck durch Klimawandel, Lebensraumverlust und Zerschneidung, wird der Einfluss der Jagd besonders bedeutsam. Anthropogene Selektion verläuft nicht in jedem Fall schlicht „entgegengesetzt“ zur natürlichen Selektion. Ihre Wirkung hängt von Intensität, Dauer, Auswahlkriterien und der Erblichkeit betroffener Merkmale ab. Doch der Mensch wählt nach anderen Kriterien als ein natürlicher Prädator. Jagdrecht, Sichtbarkeit, Zugänglichkeit, Abschussplan, Trophäenwert, Wildbret, Freizeitinteresse und Revierwert bestimmen, welches Tier stirbt. Bei starker und wiederholter Auswahl können sich Altersaufbau, Geschlechterverhältnis, Sozialstruktur, Fluchtverhalten, Fortpflanzungszeitpunkt und auch vererbbare Merkmale verschieben. Die Jagd greift damit nicht nur in eine momentane Zahl ein, sondern möglicherweise in die Richtung zukünftiger Entwicklung.

Zudem sollte ein weiterer Evolutionsfaktor nicht außer Acht gelassen werden, die Isolation. Über sehr lange Zeiträume kann sie bei ausreichend großen Populationen zur Entstehung neuer Arten beitragen. Kurzfristig führt sie bei kleinen Populationen jedoch häufig zu Inzucht, genetischer Verarmung und sinkender Widerstandsfähigkeit. Straßen, Zäune, Siedlungen und künstlich begrenzte Rotwildgebiete zerschneiden Lebensräume besonders deutlich. Dauerhafter Jagddruck kann diese Zerschneidung zusätzlich verstärken, weil Tiere Räume meiden, Wanderungen abbrechen oder ihre Aktivität in die Nacht verlagern. Kein Wildtier kennt eine Revierkarte, doch sein Lebensraum wird in Pachtgrenzen und Zuständigkeiten zerlegt.

Die Jägerschaft erwähnt diese evolutionsbiologischen Folgen in ihrer öffentlichen Selbstdarstellung nur selten. Der Mensch kann die Auswahl natürlicher Prädatoren nicht präzise nachbilden, weil Motivation, Technik und Auswahl grundsätzlich andere sind. Das bedeutet nicht, dass jeder Jäger immer das stärkste Tier schießt. Es bedeutet aber, dass Abschüsse nach menschlichen Kategorien erfolgen. Besonders die Trophäenjagd richtet sich auf auffällige Merkmale, während die Entnahme erfahrener Elterntiere bei sozial lebenden Arten Familienstrukturen und Fortpflanzung beeinflussen kann. Wo Revierwert, Jagderlebnis oder Trophäe die Auswahl bestimmen, wird Hege nicht zum Gegenstück natürlicher Selektion, sondern zu einer Form menschlicher Zuchtwahl ohne Verantwortung für ihre langfristigen Folgen.

 

Jagd ist keine natürliche Prädation

Nochmals sei an dieser Stelle erwähnt, dass Jagd als begrenzte Nutzung und zur Nahrungsbeschaffung grundsätzlich möglich ist. Sie wird dadurch jedoch nicht zu natürlicher Prädation. Biologisch vertretbar wäre ein Eingriff nur dann, wenn ein konkreter Bedarf wissenschaftlich nachgewiesen ist, Ursachen zuvor geprüft wurden, die Entnahme streng begrenzt erfolgt und Fütterung, Trophäeninteresse, Revierkonkurrenz sowie dauerhafter Jagddruck ausgeschlossen sind. Steigende Jagdstrecken beweisen keine erfolgreiche Regulation. Sie können ebenso Ausdruck hoher Umweltkapazität, kompensatorischer Fortpflanzung, Zuwanderung, intensiverer Technik oder eines Systems sein, das dauerhaft jagdlich nutzbare Bestände erhält.

Der Mensch ist kein Prädator im biologisch gleichwertigen Sinne. Er kann Prädatoren verdrängen oder töten, ihre komplexen Funktionen aber nicht durch Abschusspläne ersetzen. Die frühere Sprache der „Raubwildbekämpfung“ wirkt in modernen Begriffen weiter. Beim Fuchs werden Krankheiten angeführt, beim Fischotter und Seehund wirtschaftliche Interessen an Fischbeständen, beim Wolf der Schutz von Weidetieren. Einzelne Konflikte können real sein und konkrete Lösungen verlangen. Sie rechtfertigen jedoch nicht, aus einer Art insgesamt ein Problem und aus jagdlicher Zuständigkeit die automatische Antwort zu machen.

 

Natur beginnt dort, wo der Besitzanspruch endet

Ziel ist häufig die Legitimation der Bejagung oder mindestens die Aufnahme ins Jagdrecht. Gerade die Aufnahme ins Jagdrecht ist mehr als eine juristische Formalie. Sie stärkt den Anspruch, dass Prädatoren in erster Linie von der Jägerschaft verwaltet werden müssten. Dahinter steht der tiefere Konflikt der Revierjagd. Prädatoren nehmen Beute, bevor der Abschussplan sie einplant. Sie verschieben Wild über Pachtgrenzen, bevor Revierinteressen es binden können. Sie zeigen, dass Natur nicht erst durch den bewaffneten Menschen vollständig wird.

Prädatoren sind in der Lage, ökologische Funktionen zu erfüllen, die kein Mensch mit Gewehr, Fütterung und Abschussplan gleichwertig ersetzen kann. Ihre Wirkung ist nicht immer bequem, nicht überall gleich stark und nicht frei von Konflikten. Aber sie ist Teil der biologischen Eigenständigkeit einer Landschaft. Eine zukunftsfähige Kulturlandschaft braucht deshalb mehr Prozessschutzräume, durchlässige Lebensräume, weniger Fütterung und jagdliche Lenkung sowie seltene, wissenschaftlich begründete und professionell ausgeführte Eingriffe anstelle flächendeckender Revierjagd. Das Grundübel ist nicht allein der Schuss. Es ist der Besitzanspruch davor. Nicht der Schuss darf das Ziel sein, sondern eine Natur, die wieder wirken darf.

Quellenhinweise zur Faktenprüfung
Anlagen/Quellen:

 

Nur 3 % der Eroberfläche sind nicht menschlich geprägt: https://www.wissenschaft.de/erde-umwelt/nur-drei-prozent-der-landflaeche-sind-unberuehrt/

Geo-Magazin zur genetischen Vielfalt: https://www.geo.de/natur/wilderei–wie-jagd-die-evolution-beeinflusst-und-arten-formt-33565000.html

Klage, Herabstufung Wolf, Bejagung, auch hier das Ziel: https://www.wildtierschutz-deutschland.de/single-post/klagen-herabsetzung-schutzstatus-wolf

Rotwild-Degenerationen: https://www.fr.de/wissen/forscher-warnen-genetische-vielfalt-bei-rotwild-sehr-gering-zr-91413522.html

Verlust genetischer Vielfalt: https://www.artensterben.de/verlust-genetischer-vielfalt-artensterben/

Globale Karten für menschliche Einflüsse:  Riggio und andere, Global human influence maps, Global Change Biology, 2020

Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke: Statistisches Bundesamt, Flächennutzung zum 31. Dezember 2024

Naturschutzgebiete sind nach § 23 BNatSchG rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete: Bundesamt für Naturschutz, Naturschutzgebiete in Deutschland

Die deutschen Nationalparke: Bundesamt für Naturschutz, Nationalparke in Deutschland

Bundesministerium, das Bundesjagdgesetz: Bundesjagdgesetz, Paragraphen 1 und 2, Fassung 2026

Die menschliche Entnahme wildlebendenr Populationen erzeugt einen Selektionsdruck: Allendorf und Hard, Human induced evolution caused by unnatural selection through harvest of wild animals, PNAS, 2009

Weitere interessante Quellem und Anlagen: https://naturdigital.online/linksammlung/

 

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Bettina Mairock
Bettina Mairock
1 Jahr vor

Lieber Guido, vielen Dank für deinen – wie immer – grossartigen Artikel. Dein Einsatz, deine Recherchen großartig und so wichtig. Ebenso geht mein Dank an Frau SAUTHOFF-KAISER für ihren Einsatz und Input. Weiterhin wünsche ich viel Energie und Nerv zum Weitermachen!
Liebe Grüße aus Augsburg
Bettina

Karlheinz Wolf
Karlheinz Wolf
1 Jahr vor

Fantastischer Beitrag. Ob der Homo sapiens als Prädator gelten kann würde ich mit einem klarem ja beantworten würde aber unterscheiden:

Die frühe Jagd mit primitiven bis gar keinen Waffen (natürliche Selektion) und die moderne Jagd mit Waffen und ähnlichen technischen Hilfsmitteln („anthropogene Selektion“):

Beide Jagdarten unterscheiden sich wesentlich in ihrer Wirkung auf die Evolution.

Bei der natürlichen Jagd war das Augenmerk zwangsläufig auf kranke, schwache und junge, unerfahrene Tiere gerichtet.

Bei der anthropogenen Jagd erfolgt gerade keine natûrliche Jagd, weil Jäger gezielt die größten, stärksten oder seltensten Tiere jagen – ob als Trophäe oder aus wirtschaftlichen Gründen. Die Folgen: „Reversed Selection“: Es bleiben oft die Schwächeren übrig, was langfristig zur Verarmung des Genpools führen kann. So
haben einige Elefantenpopulationen in Afrika heute häufiger Stoßzahnlosigkeit.

Weitere Beispiele sind die Hochseefischerei. So haben unter anderem Dorsche schon an Größe enorm verloren um nicht mehr so oft in den Netzen zu enden.

Undine Pitzk
Undine Pitzk
1 Jahr vor

Lieber Guido ,liebe Frau Sauthoff- Kaiser .
Vielen Dank für diesen aktuellen und informativen Beitrag.Hochinterssant dargestellt finde ich den Zusammenhang zwischen Jagd und Evolution.
Leider agieren die Hobbyjäger nur nach dem Motto “ Quantität statt Qualität“. Das ist einerseits ethisch unverzeihlich, doch aus Sicht der Jäger ganz logisch. Wildfleisch läßt sich auch vom mickrigen „Stück “ (😢) gut und teuer verkaufen und eine Trophäe springt schon noch raus. Hier auf Freiwilligkeit zu setzen ,ist wohl ein Traum. Da helfen nur neue Jagdgesetze und diese sind wohl gerade mit der neuen Regierung im Staate und den Bundesländern – siehe BB !!!! ,nicht machbar.

Silke Chall
Silke Chall
1 Jahr vor

Lieber Guido/ Michaela.
Tausend Dank für diesen wertvollen Beitrag.
Man kann gar nicht genug Danke sagen für die Aufklärung, die Recherche die viele Arbeit. Das macht ihr für uns und alles was nach uns kommt damit die Welt wieder zu leben beginnt. Ich gebe Euer Wissen immer gerne weiter an die Kids hier bei mir und auch aus Bayern.
Die Jagd muss verboten werden, ich habe auch das Gefühl das alles was damit zusammen hängt einfach nur noch Profit ist und die Lust am töten. Es regt mich immer wieder auf wenn ich diese jungen Menschen sehe die zur Jagd gehen und man sie fragt warum sie das tun und die Antwort ein keine Ahnung ist . Wir brauchen all diese Prädatoren die geschossen werden auch für eine natürliche Auslese in der Natur. Was will man denn mit diesen Trophäen? Der Umwelt noch mehr schaden als eh schon ? Ein gesunder Bestand an Wild wird bestimmt nicht dadurch erreicht in dem man die Tiere entnimmt . Ich denke diese Menschen hatten nie im Leben Biologie oder haben geschlafen.
Der Wolf eines der wichtigsten Predatoren , den würden sie doch am liebsten wieder ausrotten weil sie ihn als Konkurrenz sehen. Daran merkt man doch schon wie armselig die Jägerschaft handelt . Alles was Konkurrenz bedeutet muss ins Jagdrecht so denken die Jäger. Bison und Elch sollten wieder heimisch werden, dass wäre klasse.
Ich sage DANKE an Euch Guido und Michaela.
Lieber Guido ich muss noch etwas loswerden, ich glaube es wäre richtig klasse wenn du vielleicht wenn es deine Zeit erlaubt an Schulen deine Beiträge weiter geben würdest damit würdest du bestimmt die Kinder/ Jugendlichen erreichen also die Zukunft.

Bettina
Bettina
1 Jahr vor

Wie unsinnig und welche gravierenden negativen Folgen die Prädatorenjagd hat, wird gerade aktuell am Dümmer bewiesen, ein großes Vogelschutzgebiet/FFH-Gebiet 065. Durch massive Prädatorenjagd haben sich Gänse explosionsartig vermehrt, die immense Schäden an den Schilfbeständen verursachen. Sie fressen sie runter und nehmen damit den eigentlich geschützten Vogelarten das für sie für die Brut wichtige Schilf als Deckung weg. Also haben das NLWKN und der Naturschutzring Dümmer entschieden, die Gänse durch Berufsjäger dezimieren zu lassen. Auch wenn zu der Zeit gerade Brut- und Setzzeit war/noch ist, sollen von der „Entnahme“ Paare mit Nachwuchs nicht betroffen sein. Wenn man bedenkt, dass die Zahl der Gänse von 6000-7000 auf ca. 200-500 reduziert werden soll, wirkt die Aussage ziemlich unglaubhaft. Wir wissen ja von einigen, die in der Nähe des Schutzgebietes wohnen, wie massiv Prädatoren dort bejagt werden. Hätte man sie gelassen, hätte man das Problem mit den Gänsen gar nicht. Wie jeder weiß, brüten Gänse ganz offen ohne nennenswerten Schutz. Sie brauchen kein Gebüsch. Die Nester wären leicht erreichbar und zu plündern. Übrigens hat man es anfangs noch versucht, die Eier zu entnehmen bzw. anzupieken. Was für eine herausfordernde Aufgabe für die Jäger…., die die Prädatoren doch mit Leichtigkeit kostenlos übernehmen würden.
Im öffentlich lesbaren Jagdforum Parey konnte man dazu noch erfahren, dass auch Mäusebussarde in dem Gebiet reduziert werden sollen. Zum Schutz der Bodenbrüter….Kommt vielleicht noch irgendwann die Rohrweihe dran, die selbst im Schutz des Schilfes brütet? Und was ist eigentlich mit den Tausenden von Möwen am Dümmer, die sich idealerweise ohne Feinde ebenfalls explosionsartig vermehren und Nester anderer Arten plündern?
Für kleinere Schutzgebiete wird gern der rückläufige Bestand der Uferschnepfe, aber auch anderer Arten als Grund für die Prädatorenjagd herangezogen. Es geht dabei um die Arten, die als Habitat Feuchtwiesen benötigen. Sogar deren Schnäbel sind passend gestaltet, damit sie in den Feuchtwiesen nach Nahrung im Boden stochern können. Fallen diese Wiesen trocken durch steigende Temperaturen und weniger Niederschläge, finden diese Arten aufgrund der langen, gebogenen Schnäbel keine Nahrung mehr. Also weichen sie für das Brutgeschäft immer weiter Richtung Norden aus. Sogar auf Island nehmen die Bestände zu, bei uns aber ab. Dennoch werden Füchse übelst bejagt, obwohl ihnen die Verantwortung für den Rückgang nicht unter die Pfoten geschoben werden kann.
Daher bitte unbedingt weiter aufklären mit solchen Beiträgen wie dieser hier. Schöne Fotos übrigens 😃.

Karlheinz Wolf
Karlheinz Wolf
1 Jahr vor
Antwort auf  Bettina

vollkommen richtig. Habe hierzu am 8
7.6. unter Guidos Beitrag „Bienenfresser in Jagdgesetzt“ auch schon kommentiert. Wenn mehrere Häuptlinge zusammen mit einem Jâger den Ton angeben, kann nichts vernünftiges herauskommen. ich kann mir nicht vorstellen dass alle „Indianer“ im Naturschutzring diesen „Frevel“ für gut heißen.

Johann Beuke
Johann Beuke
1 Jahr vor

Die heutige private Hobby-Jagd, ist schon, wie seit ihrer Gründung 1848 und ihrer Festschreibung im Reichsjagdgesetz von 1934, nur eine reine Nutzung der Wildtierarten und das dann nur nach den Vorstellungen der einzelnen Revierpächter. Die heutige Hobby-Jagd hat daher mit dem Natur- und dem Tierschutz nur sehr wenig zu tun.
Die vielgepriesene Hege bedeutet in der Praxis nur die Erhöhung der Bestände, der für die Revierpächter, interessanten jagdbaren Arten. Um das zu erreichen wird gezielt die intensive Tötung der Beutekonkurrenten betrieben. Seit Beginn der Hobby-Jagd wurde nach dem Motto, „Alles was spitze Zähne und scharfe Krallen hat, muss kurzgehalten werden“, also möglichst gegen Null in einem Revier gebracht werden.
Das Problem ist das Reviersystem, daß diese Faunenverfälschung durch Hobby-Jäger erst möglich macht und unterstützt. Die Politik hält an diesem System fest, weil sie Angst hat, daß für sie Kosten entstehen könnten und duldet daher dieses falsche Jagdsystem und unterstützt es sogar noch. Es ist in der Jagdscene leider sehr viel Geld im Spiel und daher sind Veränderungen im Sinne des Natur- und Tierschutzes bisher kaum durchzusetzen. Beim Bundesjägertag in Bonn hat man wieder deutlich gesehen, was den Hobby-Jägern wichtig ist und wie sie mit der Politik zusammen ihr schädliches Verhalten weiter perfektionieren. Kritiker sehen sie als „Zerstörer“, die sie aber mit ihrem „Flakschiff“ erfolgreich bekämpfen werden, so ihre militärische Kampfansage an alle Menschen, die mit ihrem Handeln nicht einverstanden sind.
Lieber Guido, vielen Dank für deinen sehr aussagekräftigen Beitrag.

Tatjana S.
Tatjana S.
1 Jahr vor

Hallo Guido,

und wieder einmal mehr hast Du es, dieses mal in Zusammenarbeit und den erneuten Zusammentragen von Fakten sowie einer intensiven Recherchearbeit geschafft, einen unfassbar wichtigen und aufklärenden Text zu verfassen.
Du kennst mich ich bin immer ehrlich – ich finde es schade, dass wieder von Hobbyjägern gesprochen wird, weil ich ja den Konflikt in mir trage, was ist denn ein Hobbyjäger? Was wäre dann im Gegensatz also ein Berufsjäger? (nur eine kleine Randbemerkung meinerseits)

Ebenso werden ja nicht nur die Fleischfresser radikal bejagt/getötet und das mit fadenscheinigen Begründungen, sondern auch die Pflanzenfresser, wie z.B. Rehwild, Kormorane, Fasane, Gänse, Hasen, Insekten usw.. Warum?
Weil es Menschen da draußen gibt, die der Meinung sind wir hätten mehr Anspruch auf „Räume“. nur wir Menschen dürfen die Räume nutzen, verdrecken, ausbeuten und unwiderruflich zerstören.
Von welchen Räumen sprechen wir?? Von Räumen wo Freizeitaktivitäten statt finden, von wirtschaftlich genutzten Räumen. Von Räumen die also nicht dazu beitragen, dass wir unsere Art /den Mensch erhalten. Nicht wir sind diejenigen, die Schwierigkeiten damit haben, unsere Art zu erhalten, nicht wir in Europa haben Mangel an Nahrung und selten mit Wasserknappheit zu kämpfen, nicht wir haben keinen Platz zum Leben und haben keine Rückzugsorte. Und doch stellen wir uns über die Wehrlosen.
Tiere/Pflanzen die einen Raum zum Leben zum Überleben benötigen, um eben einen Bestand zu erhalten, um die Art zu erhalten, werden als Störung empfunden. Tiere und Pflanzen sind unsere Lebensgrundlage und doch wird genau auf diese Lebensgrundlage, negativ Einfluss genommen. Dass die Umwelteinflüsse nicht schon schlimm genug sind und zur Ausrottung von vielen Arten beitragen mal ganz zu schweigen. In einem Ausmaß, welches mich immer wieder erschüttert.
Zusätzlich beschneiden die „Natur“ dringen unwiderruflich in Bereiche vor, von denen wir Menschen Respekt haben sollten, stellen uns über Alles. Dabei brauchen wir genau das Alles, um überhaupt zu existieren. Da es aber immer die Marionetten, mit fadenscheinigen Begründungen geben wird, Marionetten, die funktionieren müssen, um wirtschaftlich genutzte Flächen, weiter profitabel zu machen (und wehe sie tun es nicht wie im vorgeschriebenen Ausmaß auf Widerstand stoßen) da es immer wieder kranke Köpfe geben wird, die aus reiner Lust und aus Sammelleidenschaft töten, wird das was im Argen liegt noch schlimmer gemacht und eventuell auch nicht mehr reparabel für immer zerstört. Wir sehen derzeit nur die Spitze des Eisberges – denn die Auswirkungen werden in den folgenden Jahren erst zur dramatischen Realität.
Es wird einfach nicht darauf vertraut, dass Leben sich selbst reguliert, dass eine Selektion statt findet, die schlussendlich auch uns am Leben erhalten lässt. Auch bei einer natürlichen Selektion ob in der Pflanzen ,- oder Tierwelt, werden so einige Arten aussterben – aber nicht in dem willkürlichen Ausmaß, wie der Mensch gerade negativen Einfluss nimmt.
Insofern finde ich Deine Aussage
„Tatsächlich aber sind nur Prädatoren in der Lage fantastisch präzise und im Sinne der Natur mit allen ihren zukünftigen Veränderungen sinnvoll zu selektieren, um so eine Evolution zu unterstützen“ so was von auf den Punkt gebracht!!!!!

Möge Dein Beitrag ganz viele Menschen erreichen und zum nachdenken anregen. Möge die Anzahl der Menschen , die Aufklären, die Kämpfen, die sich stark machen und im eigenen Umfeld einfach achtsamer sind und so positiv im kleinen sowie großen Rahmen Einfluss nehmen stetig wachsen.

Ganz liebe Grüße an Dich (mein Held der Aufklärung, die Stimme, derer die nicht sprechen können)

Michaela Sauthoff-Kaiser
Michaela Sauthoff-Kaiser
1 Jahr vor

Lieber Guido,
ich habe zu danken, für die Chance, mit dir zusammenarbeiten zu dürfen und für das in mich gesetzte Vertrauen. Inhaltlich spare ich mir heute einen Kommentar aufgrund meines Mitwirkens, doch möchte ich einige Worte an dich richten.
Ich war mir anfangs nicht sicher, ob es möglich ist die Themanbereiche Jagd und Evolution schlüssig miteinander zu verbinden. umso spannender war der Entstehungsprozess. Jeder Zeit gerne wieder und wie immer verneige ich mich vor dir als Mensch, der es nicht nur meisterlich beherrscht zu recherchieren, sondern komplexe Themen ansprechend, interessant und verständlich auszuarbeiten, und das in einer beispiellos strukturierten Art und Weise, mit absolutem Teamgeist und für die Sache! Ich denke, daraus ist wieder einmal etwas Großartiges entstanden, sachlich und dennoch spannend und zum Nachdenken anregend.
Herzlichen Dank,
Michaela

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