Ohrfeige von Mutter Natur

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Über 7.000 Tierarten sind in Deutschland gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht, allein ein Drittel aller Säugetiere. Aber es gibt auch Lichtblicke, kleine Erfolgsstorys des Artenschutzes, tolle Projekte, oft großartigen Menschen zu verdanken. Elf Tierarten, die in Deutschland wieder gute Chancen haben sind Bartgeier, Biber, Wolf, Luchs, Wisent, Elch, Kegelrobbe, Adler, Waldrapp, Goldschakal, Wildkatze, welche das Naturfreundeherz erfreuen.
Die Wisente sind die etwas kleineren (Männchen bis 2m Höhe und 1.000 kg schwer) europäischen Vettern der amerikanischen Bisons. Seit 2013 ist der Wisent auch freilebend in Deutschland zu finden! Im Rothaargebirge (bei Bad Berleburg) wurde eine kleine Herde von acht Wisenten im privaten Projekt ausgewildert. Insgesamt leben wilde Herden heute in acht nahen Ländern.
Im Rothaargebirge waren die Tiere 2013 freigesetzt worden.
Die Idee hatte Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Der Familie des Prinzen gehört nicht nur genug Wald, er hatte auch entsprechende Verbindungen, die Politik in Kreis und Land zog daher mit. Heute ist die Herde bis auf 24-25 Tiere angewachsen. Das sind nicht gerade viele Tiere, aber genug, um ein paar grundsätzliche Fragen aufzuwerfen und ängstliche Gemüter zu beunruhigen oder gar zu erhitzen.
In der Mitteilung schrieb vor einiger Zeit der Kreis, dass die „Voraussetzungen für ein auf Dauer angelegtes Ansiedeln der Wisente nicht gegeben seien”. Es sei nicht möglich, einen Konsens für eine Weiterführung in der Region herzustellen. Die Entscheidung zur Beendigung des Projekts sei „unumgänglich“. Klingt genauso wie immer, wenn Tiere zurückkehren. Unsere “Kulturlandschaft” ist meist die Spitze der Argumentationskette der ewigen Gegner, aller Veränderungen und der Jagdlobby. Bei Cuxhaven werden Wisente (Bild) gehalten um das Landschaftsbild der Küstenheiden zu erhalten, hier wird mit dem “Verbiss”, also quasi umgekehrt argumentiert!
In Berleburg aber war die Vertragskündigung kürzlich dann die letzte Möglichkeit, „den Wisenten im Rothaargebirge eine Zukunft in Freiheit zu geben“. Man habe das Eigentum an den Tieren aufgegeben und damit die Rinder nun „in die Zuständigkeit des Landes NRW“ gegeben. Das Wiederansiedlungsprojekt sei als „abgeschlossen“, die Aufgabe des Vereins als „beendet“ anzusehen. Die freilebenden Tiere unterliegen damit ab sofort dem Artenschutz und sind so nun streng geschützt!!
Offensichtlich ist ein Miteinander von Mensch und Wisent, das bis zum frühen Mittelalter durch die Urwälder Westeuropas zog, schwer möglich. Aber so ist es mit Veränderungen, denn fast immer treffen diese dann den Geldbeutel einer oder mehrerer Personen, hier zB den der Waldwirtschaft.
Mit seinem Fressverhalten formt der Wisent die Landschaft. Überall entstehen Lichtungen, wodurch neue, auch andere Pflanzen wachsen, Insekten und Amphibien sich wohlfühlen, ein reich gedeckter Tisch und Biodiversität entsteht.
Früher hatten unsere Wälder auch entsprechend ausgesehen, die durch die heutige  Forstwirtschaft entstandenen, durch Gewinnmaximierung realisierten viel zu dichten Wälder, haben mit der natürlichen Form der lichten ursprünglichen Wälder nichts mehr gemein. Der natürliche Verbiss des Wildes formte die natürlichen Wälder. Aber genau das ist das Dilemma, immer meldet sich irgendwo, irgendjemand der durch Veränderungen finanzielle Verluste hat, wie beim Thema Wolf durch den Nutztierverlusst, oder wie hier beim Thema Wisent mit den “Verbissschäden”. Deshalb aber dürfen nicht einzelne für uns alle entscheiden, schon gar nicht jetzt, wenn die schon schwer erkrankte Natur zur Ohrfeige gegen uns immer öfter ausholt, sich Betrachtungen radikal ändern müssen.
Mit der aktuellen Chance vieler “Rückkehrer” müssen wir dringend an einen Tisch, müssen alle Betrachtungsweisen diskutiert, die Hobbyjagd reformiert werden, denn der Weg der letzten 150 Jahre ist völlig gescheitert!

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