Hobbyjagd, Meinung statt Wissenschaft

 

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Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Weidetierhalterin und Biologielehrerin Michaela Sauthoff-Kaiser, (Instagram auch @michaela_sauthoff_kaiser), Examensarbeit Lebensraum Totholz. Vielen lieben Dank für die fantastische Zusammenarbeit, liebe Michaela!

 

Hobbyjagd, Meinung statt Wissenschaft

 

Warum einzelne Managementmaßnahmen kein flächendeckendes Freizeitsystem rechtfertigen

„Die Jagd sei notwendig in unserer Kulturlandschaft.“ Kaum eine Behauptung wird so selbstverständlich wiederholt und so selten geprüft. Sie klingt nach Wissenschaft, Verantwortung und ökologischer Notwendigkeit. Doch unter diesem Satz werden völlig unterschiedliche Fragen vermischt.

Kann das Töten von Tieren eine örtliche Population zeitweise verkleinern? Das steht außer Frage. Daraus folgt aber weder die Notwendigkeit flächendeckender Hobbyjagd noch die Rechtfertigung des deutschen Revierjagdsystems. Eine zeitweise sinkende Bestandszahl beweist keine nachhaltige Regulation und legitimiert erst recht kein flächendeckendes Freizeitsystem. Denn wer ein Zahnrad aus einem Getriebe entfernt, verändert nicht nur dessen Anzahl, sondern greift in die Funktion des gesamten Systems ein. Ebenso verändert jede Entnahme soziale Strukturen, Konkurrenzverhältnisse, Fortpflanzung und Nahrungsnetze.

 

Einzelne Wirkungen beweisen keine allgemeine Notwendigkeit

Die Forschung liefert keinen belastbaren allgemeinen Nachweis, dass Wildtierpopulationen dauerhaft und flächendeckend durch private Freizeitjagd reguliert werden müssen. Untersucht werden bestimmte Arten, Gebiete, Konflikte oder begrenzte Maßnahmen. Daraus lässt sich keine wissenschaftliche Rechtfertigung für ein gesellschaftliches Gesamtsystem ableiten. [1]

 

Die Beweislast wird bis heute umgekehrt

Wer die Notwendigkeit der Hobbyjagd infrage stellt, hört regelmäßig die Gegenfrage, wie es denn ohne Jagd funktionieren solle. Damit wird die Beweislast bis heute vollständig auf den Kopf gestellt.

Wer Wildtiere tötet und dies ökologisch begründet, muss die Notwendigkeit belegen. Erforderlich sind ein benanntes Schutzgut, eine messbare Schadensschwelle, ein überprüfbares Ziel und der Nachweis dauerhafter Wirksamkeit. Nicht tödliche und strukturelle Alternativen sowie Nebenwirkungen müssen ebenfalls geprüft werden.

Fehlen diese Voraussetzungen, ist die behauptete Notwendigkeit keine Wissenschaft, sondern eine politische, wirtschaftliche oder kulturelle Setzung, also eine Meinung. Auch Tradition ist kein Wirksamkeitsnachweis.

 

Populationen wachsen nicht unbegrenzt

Die Vorstellung, Wildtierbestände würden ohne menschliche Eingriffe grenzenlos anwachsen, widerspricht der Populationsbiologie. Nahrung, Raum, Witterung, Krankheiten, Konkurrenz, Fortpflanzung, Wanderung und natürliche Sterblichkeit verändern Bestände. Mit zunehmender Dichte können Konkurrenz und Krankheitsübertragung steigen, während Fortpflanzungserfolg und Überlebenswahrscheinlichkeit sinken.

In der Kulturlandschaft sind diese Prozesse verschoben. Landwirtschaftliche Kulturen, Fütterungen, Mastjahre, milde Winter, zerschnittene Lebensräume und verdrängte Beutegreifer schaffen künstliche Bedingungen. Gerade deshalb müssen die Ursachen betrachtet werden.

Wer durch Landnutzung, Nahrungsangebot und Waldwirtschaft hohe Wildtierdichten mit hervorbringt, kann die Folgen nicht allein den Wildtieren anlasten. Solange die Ursachen bleiben, bearbeitet das Gewehr häufig nur das sichtbare Ergebnis und verschärft es mitunter sogar.

 

Jagd verändert Zahlen, aber nicht zwangsläufig das System

Intensive Tötung kann einen lokalen Bestand vorübergehend reduzieren. Doch Wirkung allein beweist weder Notwendigkeit noch Verhältnismäßigkeit. Das Zusammenspiel zehntausender Tierarten lässt sich nicht steuern, indem einige Dutzend jagdbare Arten herausgeschossen werden. Wer das Regulierung nennt, reduziert ein komplexes System auf eine Tötungsbilanz.

Private Reviere, Aneignungsrechte, Fütterungen, Trophäeninteressen und Freizeitjagd werden dadurch nicht ökologisch notwendig. Auch ein medizinischer Eingriff kann im Einzelfall helfen. Deshalb wird er aber nicht vorsorglich und dauerhaft bei allen Menschen angewendet.

Eine Übersichtsarbeit zu mehr als 1.000 Veröffentlichungen zeigt, wie stark die Folgen von Freizeit- und Trophäenjagd nach Art, Region und institutionellem Rahmen variieren. Die Autoren benennen erhebliche Wissenslücken. [1] Wissenschaft untersucht konkrete Wirkungen. Sie erteilt keinem System einen Blankoscheck.

 

Jagd ist kein Ersatz für natürliche Beutegreifer

Wolf, Luchs und andere Beutegreifer folgen weder Abschussplänen noch wirtschaftlichen Vorgaben. Sie wirken ganzjährig auf Verhalten, Raumnutzung, Sozialstruktur und Verteilung ihrer Beutetiere. Sie garantieren keine konfliktfreie Landschaft, sind aber Teil gewachsener ökologischer Beziehungen. [2] [3]

Menschliche Jagd wirkt anders. Sie ist technisch unterstützt, revierbezogen und auf menschliche Ziele ausgerichtet. Sichtbarkeit, Erreichbarkeit, Rechtsvorgaben, wirtschaftliche Interessen und persönliche Entscheidungen bestimmen, welche Tiere sterben.

Natürliche Prädation und Jagd sind daher nicht austauschbar. Selbst zahlenmäßig stabile Bestände können ökologische Funktionen verlieren, wenn Altersstrukturen, Familienverbände, erlerntes Verhalten und Raumnutzung verändert werden. [4]

 

Getötet wird nicht zufällig

Hobbyjagd verändert nicht nur die Größe, sondern auch die Merkmale einer Population. Aktive, sichtbare, wenig scheue Tiere werden leichter getötet, bei der Trophäenjagd besonders auffällige und kräftige Individuen. Bei sozialen Arten kann der Verlust erfahrener Tiere ganze Familienverbände beeinträchtigen.

Jagd und Fischerei können Selektionsdruck auf Körpermerkmale und Verhalten ausüben. [5] Abschusszahlen erfassen daher nur einen kleinen Teil des Eingriffs. Ein Monitoring von Altersstruktur, Geschlechterverhältnis, Sozialverbänden, genetischer Vielfalt und Folgen für andere Arten findet im Revieralltag kaum statt.

 

Jagddruck kann Gegenreaktionen auslösen

Das Wildschwein zeigt, weshalb Töten nicht automatisch dauerhaft weniger Tiere bedeutet. Eine Studie fand bei weiblichen Tieren aus stark bejagten Gebieten keine erhöhten Cortisolwerte, aber deutlich höhere Progesteronwerte. Die Forschenden sprechen vorsichtig von einem möglicherweise erhöhten Fortpflanzungspotenzial, ohne daraus zwingend mehr Nachwuchs abzuleiten. [6]

Die Studie beweist nicht, dass Jagd zwangsläufig mehr Wildschweine erzeugt. Sie zeigt aber, dass hoher Jagddruck physiologische, soziale und reproduktive Reaktionen auslösen kann. Weniger Tiere plus weitere Abschüsse ergibt nicht automatisch dauerhaft weniger Tiere.

Auch beim Reh wirken dichteabhängige Rückkopplungen. Eine Untersuchung von 59 europäischen Populationen ergab, dass die Embryonenzahl mit steigender Bestandsdichte abnahm und mit der Körpermasse der Weibchen zunahm. Bei geringerer Dichte können Weibchen eine bessere Körperkondition erreichen und häufiger mehrere Embryonen tragen. Das beweist keine unmittelbare Ursache durch Jagd, zeigt aber den biologischen Ausgleichsmechanismus der Populationsdynamik. [7]

Bessere Versorgung, höhere Überlebensraten, frühere Fortpflanzung und Zuwanderung können Verluste kompensieren. Wer nur Abschusszahlen zählt, verwechselt Töten mit nachhaltiger Bestandssteuerung.

Beim Wolf wird das Evidenzproblem besonders sichtbar

Kaum etwas zeigt die Lücke zwischen politischer Forderung und wissenschaftlichem Nachweis deutlicher als Wolfsabschüsse zum Schutz von Weidetieren. Von 562 vollständig geprüften Veröffentlichungen erfüllten nur 21 die Anforderungen belastbarer Wirksamkeitsbewertungen. Das beweist nicht die Wirkungslosigkeit aller Maßnahmen, wohl aber die dünne Grundlage vieler Behauptungen. [8]

Eine weitere Auswertung kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Vier Übersichtsarbeiten sichteten gemeinsam mehr als 27.000 Veröffentlichungen. Nur 114 Studien erfüllten wenigstens die jeweiligen Mindestanforderungen. [9]

In der Slowakei bestand für den untersuchten Zeitraum kein Zusammenhang zwischen getöteten Wölfen und geringeren Nutztierschäden. Ihre Nahrung bestand zu 98,9 Prozent aus wildlebenden Huftieren. [10] Auch in Michigan ließ sich nicht belegen, dass Abschüsse nach einem Übergriff weitere Schäden am selben Ort verhinderten. Das Risiko könnte sich sogar räumlich verlagert haben. [11]

Einzelne Eingriffe können in seltenen, konkret begründeten Fällen zulässig sein. Wolfsabschüsse dürfen jedoch nicht pauschal als Herdenschutz verkauft werden. Auch nach der Herabstufung seines Schutzstatus bleibt der Wolf nach europäischem Recht geschützt. Entnahmen und Bestandsbewirtschaftung müssen mit der Erhaltung oder Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands vereinbar bleiben. Pauschale Abschüsse, die diese Vorgaben missachten oder den Erhaltungszustand gefährden, sind deshalb nicht nur fachlich fragwürdig, sondern können gegen übergeordnetes EU-Recht und geltendes Bundesrecht verstoßen. Tötung ist absolut kein Schutzkonzept. [12] [13]

 

Was das Bundesjagdgesetz tatsächlich regelt

Auch das Jagdrecht belegt keine ökologische Notwendigkeit flächendeckender Hobbyjagd. § 1 des Bundesjagdgesetzes definiert das Jagdrecht als die Befugnis, Wild auf einem bestimmten Gebiet zu hegen, zu bejagen und sich anzueignen. Es begründet damit ein flächengebundenes Nutzungs- und Aneignungsrecht samt Hegepflicht, aber keinen umfassenden Schutzauftrag für Wildtiere oder Ökosysteme.

Die Hege soll einen artenreichen, gesunden und angepassten Wildbestand erhalten. Zugleich sollen Beeinträchtigungen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft vermieden werden. § 21 gewichtet deren Schutzansprüche besonders stark, während Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu berücksichtigen sind. [13]

Das Bundesjagdgesetz ist ein rechtlicher Ordnungsrahmen, kein ökologisches Gutachten. Es organisiert Jagd, beweist aber weder ihre naturwissenschaftliche Notwendigkeit noch, dass private Jagdausübungsberechtigte natürliche Prozesse ersetzen können. Ein System kann seine Notwendigkeit nicht allein mit seiner gesetzlichen Existenz begründen.

 

Abschusspläne sind keine Naturgesetze

Ein behördlicher Abschussplan belegt keine objektive ökologische Notwendigkeit. Er beruht auf Bestandsschätzungen und menschlichen Zielsetzungen. Schon die Bestandszahl ist eine Schätzung, die Zielzahl eine Festlegung.

Ein Abschussplan ist ein Verwaltungsinstrument, kein natürlicher Sollwert. Natur kennt keine feste Idealzahl je Revier, sondern Lebensraum, Nahrung, Konkurrenz, Prädation, Fortpflanzung, Wanderung, Krankheit und Sterblichkeit. Wer Zielzahlen als Beweis notwendiger Tötungen anführt, verwechselt Verwaltung mit Ökologie.

 

Was ein belastbarer Nachweis leisten müsste

Ein tödlicher Eingriff wäre wissenschaftlich nur vertretbar, wenn Schutzgut, Schadensausmaß und Verursacher eindeutig bestimmt sind. Er braucht ein messbares Ziel, einen belegbaren Wirkungszusammenhang, die Prüfung nicht tödlicher Alternativen, ein fortlaufendes Monitoring sowie klare Erfolgs- und Abbruchkriterien.

Im flächendeckenden System der Freizeitjagd werden diese Anforderungen häufig durch Formeln ersetzt. Wild müsse reguliert, der Wald geschützt, das Gleichgewicht erhalten werden.

Doch Begriffe sind keine Belege. Ohne Ausgangserhebung, messbares Ziel und Abbruchregeln lässt sich kaum unterscheiden, ob eine Maßnahme wirkt oder nur jährlich wiederholt wird. Dauerhafte Wiederholung ist kein Erfolgsnachweis. Sie kann ebenso zeigen, dass Ursachen unverändert bleiben oder die Maßnahme ihr Ziel verfehlt.

 

Management ist nicht dasselbe wie Hobbyjagd

Menschliche Eingriffe können in einer vollständig veränderten Landschaft im Einzelfall notwendig werden. Daraus folgt jedoch keine Rechtfertigung für ein dauerhaft eingerichtetes System der Hobbyjagd. Entscheidend ist, ob eine Maßnahme aufgrund eines konkret belegten Problems erfolgt, etwa wegen fehlender natürlicher Beutegreifer, oder ob Tiere grundsätzlich und dauerhaft zur Freizeitnutzung freigegeben werden.

Modernes Wildtiermanagement müsste transparent, überprüfbar, artspezifisch und am Schutzgut ausgerichtet sein. Lebensraumqualität, Vernetzung, Prävention, natürliche Beutegreifer und Prozessschutz müssten am Anfang stehen. Tödliche Eingriffe dürften erst folgen, wenn Geeignetheit und Erforderlichkeit belegt sind.

Wo ein Eingriff unvermeidbar erscheint, müsste er begrenzt, kontrolliert und nach Erreichen des Ziels beendet werden. Das wäre Management. Ein System, das Tiere dauerhaft zur Nutzung freigibt, private Aneignungsrechte schafft und seine Notwendigkeit mit seiner jahrzehntelangen Existenz begründet, folgt dagegen einer Nutzungslogik.

Natur braucht keine pauschale Freigabe zum Töten

Prozessschutz und natürliche Regulation garantieren keine konfliktfreie Landschaft. Krankheit, Hunger, Konkurrenz, Tod und schwankende Bestände gehören zur Natur. Prozessschutz macht Eingriffe nicht unmöglich, sondern begründungspflichtig.

Bislang gilt häufig das Gegenteil. Natürliche Entwicklungen müssen ihre Verträglichkeit beweisen, menschliche Eingriffe gelten durch Tradition als notwendig. Diese Beweislast gehört umgekehrt.

Nicht die Natur muss beweisen, dass sie ohne uns funktioniert. Wer eingreift, muss belegen, warum sie es im konkreten Fall nicht kann und weshalb gerade seine Maßnahme besser wirkt als alle verfügbaren Alternativen.

 

Vom Beitrag zum Buch „Kulturlandschaft“

Die Frage nach der Notwendigkeit der Hobbyjagd führt zu einem zentralen Gedanken meines Buches „Kulturlandschaft“. Wir haben uns daran gewöhnt, menschlich geschaffene Zustände als Natur zu betrachten. Jede eigenständige Veränderung wird anschließend zur Störung erklärt, die erneut gesteuert oder bekämpft werden müsse.

Das Buch fragt nicht nur, wie viele Tiere in einem Gebiet leben sollen, sondern wer diese Zahl festlegt, welchen Interessen sie dient und weshalb natürliche Prozesse kaum noch eigene Ergebnisse hervorbringen dürfen.

Es geht um den Unterschied zwischen Schutz und Steuerung, zwischen notwendigem Eingriff und dauerhaftem Nutzungsanspruch, zwischen vollständiger Kontrolle und einer Natur, der wir wieder eigene Entwicklungen zugestehen.

Weitere Informationen und Leseproben befinden sich unter naturdigital.online im Bereich „Buch Kulturlandschaft“.

 

Quellen und weiterführende Literatur

Alle Internetquellen zuletzt geprüft am 31. Juli 2026.

[1] Di Minin, E.; Clements, H. S.; Correia, R. A.; Cortés-Capano, G.; Fink, C.; Haukka, A.; Hausmann, A.; Kulkarni, R.; Bradshaw, C. J. A. (2021): „Consequences of recreational hunting for biodiversity conservation and livelihoods“. One Earth 4(2), S. 238–253. DOI: 10.1016/j.oneear.2021.01.014.

[2] Chapron, G. et al. (2014): „Recovery of large c

arnivores in Europe’s modern human-dominated landscapes“. Science 346(6216), S. 1517–1519. DOI: 10.1126/science.1257553.

[3] Estes, J. A. et al. (2011): „Trophic Downgrading of Planet Earth“. Science 333(6040), S. 301–306. DOI: 10.1126/science.1205106.

[4] Ordiz, A.; Bischof, R.; Swenson, J. E. (2013): „Saving large carnivores, but losing the apex predator?“. Biological Conservation 168, S. 128–133. DOI: 10.1016/j.biocon.2013.09.024.

[5] Leclerc, M.; Zedrosser, A.; Pelletier, F. (2017): „Harvesting as a potential selective pressure on behavioural traits“. Journal of Applied Ecology 54(6), S. 1941–1945. DOI: 10.1111/1365-2664.12893.

[6] Davidson, A.; Malkinson, D.; Schonblum, A.; Koren, L.; Shanas, U. (2021): „Do boars compensate for hunting with higher reproductive hormones?“. Conservation Physiology 9(1), coab068. DOI: 10.1093/conphys/coab068.

[7] Flajšman, K.; Borowik, T.; Pokorny, B.; Jędrzejewska, B. (2018): „Effects of population density and female body mass on litter size in European roe deer at a continental scale“. Mammal Research 63, S. 91–98. DOI: 10.1007/s13364-017-0348-7.

[8] Eklund, A.; López-Bao, J. V.; Tourani, M. et al. (2017): „Limited evidence on the effectiveness of interventions to reduce livestock predation by large carnivores“. Scientific Reports 7, Artikel 2097. DOI: 10.1038/s41598-017-02323-w.

[9] van Eeden, L. M. et al. (2018): „Carnivore conservation needs evidence-based livestock protection“. PLOS Biology 16(9), e2005577. DOI: 10.1371/journal.pbio.2005577.

[10] Kutal, M.; Duľa, M.; Selivanova, A. R.; López-Bao, J. V. (2024): „Testing a conservation compromise: No evidence that public wolf hunting in Slovakia reduced livestock losses“. Conservation Letters 17(1), e12994. DOI: 10.1111/conl.12994.

[11] Santiago-Avila, F. J.; Cornman, A. M.; Treves, A. (2018): „Killing wolves to prevent predation on livestock may protect one farm but harm neighbors“. PLOS ONE 13(1), e0189729. DOI: 10.1371/journal.pone.0189729. Hinweis zu [11]: Eine Korrektur des Artikels erschien 2018 in PLOS ONE 13(12), e0209716. DOI: 10.1371/journal.pone.0209716.

[12] Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union (2025): Richtlinie (EU) 2025/1237 vom 17. Juni 2025 zur Änderung der Richtlinie 92/43/EWG in Bezug auf den Schutzstatus des Wolfs; in Verbindung mit Artikel 14 der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie). Amtliche Fassungen: Richtlinie (EU) 2025/1237 und Richtlinie 92/43/EWG.

[13] Bundesjagdgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 29. September 1976, zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 29. März 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 87), insbesondere §§ 1, 21 und 22b. Amtliche Fassung: Gesetze im Internet.

Weiterführende Literatur

Andersen, R.; Duncan, P.; Linnell, J. D. C. (Hrsg.) (1998): The European Roe Deer: The Biology of Success. Scandinavian University Press, Oslo. ISBN 82-00-37682-6.

Apollonio, M.; Andersen, R.; Putman, R. (Hrsg.) (2010): European Ungulates and Their Management in the 21st Century. Cambridge University Press, Cambridge. ISBN 978-0-521-76061-4.

 

Michaela Sauthoff-Kaiser · Guido Meyer, alias naturdigital.online

 

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Jürgen Andresen
Jürgen Andresen
4 Tage vor

Wenn Natur- und Tierschützer die Jagd in Deutschland kritisieren, fehlt meistens ein wichtiger Punkt: Jagd ist Business!

Die Jagd in Deutschland ist hauptsächlich Hobby, Freizeitbeschäftigung; und in seiner Freizeit macht man das, was Spaß bringt. Also ist das Töten von Tieren für 459000 von 460000 Jägern ein Vergnügen.

Wer jagen will, muss eine Prüfung bestanden haben und einen Jagdschein besitzen. Aber der Jagdschein ist noch das geringste Problem.

Man darf nur jagen, wenn man auch ein Revier besitzt, und hier gibt es ein großes Missverhältnis: Es gibt siebenmal so viele Jäger wie Reviere. Da wir in einer Marktwirtschaft leben, können die wenigen Jäger mit Revier Geld aus der hohen Nachfrage ziehen, indem sie den anderen Jägern erlauben, gegen eine Gebühr mit jagen zu dürfen. Das Jagdwesen ist ein Wirtschaftszweig.

Das Geschäft floriert natürlich umso besser, je mehr Wild in einem Revier lebt, und da haben die deutschen Jäger großartiges geleistet:

  • durch aktives Handeln:

Die Jäger füttern das Wild wie die Bauern das Vieh (Jäger nennen das Hege.). Sie streuen permanent Futter unter die Hochsitze, das macht die Jagd schön bequem für die Hobbyjäger. Raubtiere, also Konkurrenten, wie Wolf, Bär und Luchs haben sie ausgerottet. Zugleich haben sie fremde Tierarten, die zu töten ihnen auch Spaß bringt, hier ausgesetzt: Damtiere, Mufflons, Sikahirsche, Waschbären u. v. a. m.

  • durch Unterlassen:

Die Tiere vermehren sich, wie es die Natur eben so vorgesehen hat, und die „Kunst“ des Jagens besteht darin, nie mehr Tiere totzuschießen, als nachwachsen. Zurückhaltung in einem Jahr wird mit umso mehr Beute in späteren Jahren belohnt.

Wildschweine

Bei den Wildschweinen haben die Jäger die größten Erfolge erzielt, die Jagdstrecken wachsen exponentiell, ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

Die Jäger können es sich offenkundig leisten, ständig gegen das BJagdG zu verstoßen, das in §§ 1 und 21 eindeutig die Interessen der Land- und Forstwirtschaft höher gewichtet als die der Jagd.

Zwar ist der Jäger, in dessen Revier der Schaden auftritt, oft zum Ersatz verpflichtet, aber es gibt eine Reihe von Ausnahmen. Oft muss der Bauer selbst einen teuren Zaun bauen, und erst, wenn danach immer noch Schaden auftritt, muss der Jäger zahlen. Wenn Wildschweine Haus- und Gemüsegärten zerwühlen, muss der Jäger nie zahlen. Von Wildunfällen im Straßenverkehr ganz zu schweigen.

Ich bin kein Freund der konventionellen, giftspritzenden Landwirtschaft. Biobauern haben unter den Wildschweinen womöglich noch mehr zu leiden als die anderen. Denn Wildschweine sind Feinschmecker, sie bevorzugen Biokartoffeln vor konventionellen usw.

Ich habe volles Verständnis für jeden Bauern, der sich mit einem Gewehr an seinen Acker stellt und Wildschweine erschießt, die ihm die Früchte seiner Arbeit stehlen ——— allein, er darf es nicht!

Das Töten oder auch nur Verletzen von Wild ist das Monopol der Jäger. Das ist eine Absurdität des deutschen Jagdrechts, die man ständig hervorheben muss, und hieraus wird deutlich, dass es bei der Jagd nur sehr bedingt um den Schutz der Landwirtschaft vor Wildschäden geht.

Rothirsche und Rehe

Gleiches gilt für Rehe und Hirsche, die die Bäume anfressen und auffressen, die der Waldbesitzer fällen und verkaufen will. Der Waldbesitzer darf nur Zäune bauen, und der Bundesbürger kennt es gar nicht anders, dass große Teile des Waldes wegen der Jäger und ihres Wildes eingezäunt sind. Vor 150 Jahren war das nicht nötig.

Die Jagdverbände (DJV und Co.) betreiben seit langem eine Propaganda-Kampagne, indem sie behaupten, das Rotwild gehöre auf die Rote Liste. „Populationsgenetiker sprechen bereits vom Beginn eines Aussterbeprozesses“ las ich kürzlich. Der Grund ist: Jeder Jäger will viele Hirsche in seinem Revier haben, weil das Töten eines Geweihträgers den höchsten Lustgewinn (und wenn man einen anderen Jäger jagen lässt, die höchste Geldsumme einbringt), also setzen die Jäger fleißig Hirsche aus, auch dort, wo eigentlich kein angemessener Lebensraum vorhanden ist. Damit schaffen sie „verinselte Populationen“, in denen die Inzucht grassiert mit allen Folgen für die Gesundheit der Tiere. Daraus folgt für die Jäger aber nur eines: Es muss unbedingt das Rotwild flächendeckend in Deutschland herangehegt werden, rücksichtslos gegen alle anderen Interessen in der Gesellschaft.

Bei manchen Natur- und Tierschützern finden die Jäger mit dieser Propaganda sogar Unterstützung.

Jürgen Andresen
eti-veth.de/antijagd.htm
eti-veth.de/ASP.htm

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