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Der Wolf muss hier weg
wir Menschen erfahren bereits in unserer Kindheit eine starke Prägung durch unsere Heimat und Umgebung. Auch in der Jugend prägen uns soziale Erfahrungen: Familie, Freunde und Gemeinschaft vermitteln Werte, Traditionen und soziale Normen. Dazu kommen kulturelle und geografische Einflüsse, ob ländlich oder städtisch, die ein Heimatgefühl und Wohlbefinden entstehen lassen. Am stärksten prägen jedoch individuelle Erlebnisse und Kindheitserinnerungen unser Heimatgefühl. Orte sind immer mit Emotionen verbunden. Wir empfinden diese kleine Welt vor der Tür als „richtig“, wir organisieren uns dafür, setzen uns dafür ein, stellen sie kaum infrage.

Unsere Prägungen bestimmen auch stark, wie wir Naturthemen wahrnehmen und leben – sie tragen dazu bei, dass Diskussionen darüber, etwa beim Thema Wolf, gesellschaftlich immer hitziger werden. Ob man solche Fragen in einer naturreichen Geografie oder in gegenteiligen Regionen wie dem Niederrhein oder Ostfriesland – mit höchster landwirtschaftlicher Nutzung – diskutiert, macht einen gewaltigen Unterschied. So gelten manche Regionen als besonders „naturnah“, weil dort so viele Grünflächen zu sehen sind. Doch ‚Grün‘ bedeutet nicht automatisch Natur. Echte Naturflächen, sind oft selten: In Ostfriesland z. B. liegt der Naturflächenanteil je nach Kreis, gerade einmal bei 2 bis 5 %. Zum Vergleich: Im restlichen Niedersachsen sind es noch rund 23 %, in Brandenburg 34,5 % und in Hessen sogar stolze 40,1 %. (Weitere interessante Zahlen: Anlage Naturflächen/Waldflächenanteil unten)
Auf meinen vielen geschäftlichen Reisen durch Deutschland fiel mir auf, wie unterschiedlich auch Städte sind. Hamburg, München, Köln, Berlin oder Hannover, Würzburg, Dresden usw. – jede Stadt ist einzigartig, ist anders als die andere. Wer dort aufwächst, identifiziert sich mit „seiner Stadt“. Jede Stadt hat sich über Jahrhunderte entwickelt und ihre Bewohner geprägt, wie die Bewohner die Stadt. Heute, wegen der zunehmenden Temperatur, sollen Städte „grüner“ werden, verändert werden: Bäume werden gepflanzt, versiegelte Flächen aufgebrochen, um die städtische Temperatur zu senken. Ganze Fassaden werden aufwendig und kostenintensiv umgestaltet. Fehler der Vergangenheit werden wie selbstverständlich gemeinsam korrigiert, und die Begrünung wird von nahezu allen als Zugewinn empfunden, keiner muss auf etwas verzichten, keinem wird etwas genommen, wahrscheinlich klappt es deshalb ohne Protest und fast reibungslos in der Umsetzung. Hier zeigt sich: Klimawandel und immer heißere Sommer erfordern gemeinsames, schnelles Handeln – und wenn der Nutzen für alle erkennbar ist, gelingt es auch.
Mein Interesse an Wildtierbeobachtungen führte mich in viele verschiedene Landschaften: naturnahe Landschaften wie die Mecklenburgische Seenplatte, den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, das Stettiner Haff und die Ueckermünder Heide, der Spreewald, die Lausitz, sogar Regionen wie die riesigen Truppenübungsplätze bei Bergen (über „sieben Steinhäuser“ oft begehbar) u. v. a. Landschaften.
Zwischen Harz und Ostsee, von der A7 bis nach Polen, wäre es möglich, einige große Naturflächen zumindest teilweise wieder sich selbst zu überlassen (ohne Jagd und Forst, siehe auch Anlage Prof. Dr. Dr. Herzog) und durch Korridore oder Wildtierbrücken miteinander zu verbinden.
Wie Städte entwickelten sich auch Landschaften, die Natur passte sich an – der Mensch jedoch hat Naturlandschaften zu Kulturlandschaften transformiert. Dennoch bergen diese Flächen die Chance, selbstständige Natur entstehen zu lassen, ohne Kosten und von ganz allein. Natur einfach in Ruhe zu lassen, sie machen zu lassen: Biodiversität und Artenvielfalt entstehen von ganz allein. Prädatoren wie Wolf und Luchs müssen selbstverständlich Teil der Artenvielfalt sein, sie werden den Prozess beschleunigen und dann managen, ebenso große Pflanzenfresser wie Rotwild und dieser Tage zurückkehrende Wisente und Elche. Die wahren natürlichen Landschaftsarchitekten müssen im Prozess der Gesundung beteiligt sein. Hier ist das technisch leicht möglich, nur wenige, wie die Jagd & Forst, müssten verzichten, deshalb ist es ‚nur‘ in der politischen Umsetzung schwierig. (Anlagen)

In manchen Regionen traf ich auf große Naturverbundenheit, in anderen aber auf große Distanz zur tatsächlichen echten Natur. Von Hannover bis Rügen lässt es sich durchweg fast alle 330 km Luftlinie durch Wald gehen und Wildtiere beobachten, längst hat sich der Wolf hier eingerichtet. Bei einem damaligen Wolfsfreund südlich von Berlin erlebte ich, wie stark die Akzeptanz des Wolfs dort inzwischen ist: Zustimmungswerte von bis über 80 Prozent werden repräsentativ erreicht. Die Menschen haben die wichtige Rolle des Prädators meist verstanden und erkennen die Vorteile und die Chance zur Korrektur für das ökologische Gleichgewicht, genauso wie im Beispiel oben zur Begrünung der Städte. Lediglich die Hobbyjagd zeigt oft Widerstand – weniger aus Angst vor dem Wolf, mehr aus Angst, auf Jagdprivilegien verzichten zu müssen. Dabei verändert der Wolf das Wildtierverhalten positiv: Pflanzenfresser bilden größere Gruppen und nutzen Räume anders, was die Biodiversität stärkt. „Wo der Wolf lebt, wächst der Wald“, sagt zu Recht ein russisches Sprichwort. In den kleinen Jagdrevieren entsteht dagegen der Eindruck in der Jägerschaft, der Wolf frisst den Wald leer, um einschlägige Jagdmagazine zu zitieren. Auch in der Forstwirtschaft heißt es gern, die Wildtiere zerstören die Wälder durch ihren Verbiss. Hier empfehle ich den Beitrag Verbissschäden (Anlage/Link unten).
Ganz anders geprägt ist es z. B. in Regionen westlich der A7 Hamburg–Hannover bis nach den Niederlanden. Hier haben wir Regionen mit der größten Nutztierhaltung in Deutschland, vorrangig bei Schweinen und Geflügel, aber auch in der Milchwirtschaft. Fast alle Flächen werden intensiv genutzt, sind lediglich ‚Grünflächen‘. Wälder und andere Naturflächen sind wenig, zu wenig, statistisch im Vergleich mit anderen Bundesländern weit zurückliegend im Flächenanteil. (Anlage unten) Man nimmt es kaum wahr, manchen Urlaubern fällt es wahrscheinlich kaum auf, aber Grünfläche ist nicht gleich Naturfläche. Entsprechend analog die Einstellung zum Wolf: Ein entsprechendes Verständnis für Veränderungen ist hier kaum vorhanden, fand ich in vielen Gesprächen nicht. Hier fürchtet jeder einen Verlust und einschneidende, prinzipiell nicht gewünschte Veränderungen.
Wölfe werden in diesen Regionen von Natur aus eigentlich nicht sesshaft, da ihnen die natürliche Umweltkapazität, also die existenziellen Voraussetzungen wie Raum und Nahrung, hier fehlt. Durch schlecht und gar nicht geschützte Weiden wirken diese Regionen aber wie ein Schlaraffenland für den Beutegreifer Wolf: Schafe und andere nicht fluchtfähige Nutztiere sind für die Beutegreifer extrem leicht zugänglich, oft nur durch ein Drähtchen ‚gesichert‘. Wären die Weiden nach mindestens wolfsabweisendem Standard geschützt, gäbe es viel weniger Risse, korrekter Schutz kann bis über 98 % Sicherheit bringen.
Das Senckenberg-Forschungsinstitut in Görlitz hat 10 Jahre lang 2000 Mageninhalte von Wölfen aus alten dichten Wolfsregionen analysiert (hier wurde jeder verunfallte/tote Wolf eingeliefert) und lieferte uns wissenschaftliche Daten. Es waren im Ergebnis: Rehe 52,2 %, gefolgt von Rothirschen 24,7 % und Wildschweinen 16,3 %. Einen geringen Anteil machen Hasen mit knapp 3,4 % aus, Damhirsch 1,5 %, Mufflon, Ratten, Waschbär zusammen 1,3 %, Weidetiere ca. 1.6 %. (!), Großmütter 0,0 %.

Eine ähnliche Studie mit verunfallten Wölfen in den stark weidetiergeprägten, oben genannten Regionen wäre sicherlich interessant, der Anteil an Nahrung mit Weidetieren wie dem Schaf wäre viel höher. Erkenntnisse in der Weidetierhaltung aus den Wolfsregionen mit 26 Jahren Erfahrung im Umgang mit dem Wolf, wie in der Lausitz, werden völlig ignoriert, Ängste stattdessen geschürt. So heißt es dann oft in der Quintessenz: Der Wolf gehört hier nicht hin, passt nicht in unsere Kulturlandschaft.
Das Problem ist also menschengemacht. Wir haben die Natur übernutzt und müssen dringend Flächen zurückgeben. Unser falsch verstandenes Heimatgefühl und unsere Prägungen halten uns jedoch am alten Kurs fest – mit dramatischen und weiterwachsenden Folgen für die Umwelt: noch mehr Artensterben, noch mehr Biodiversitätsverlust und immer lebensfeindlichere Bedingungen. Diese Art der Flächennutzung und Ausbeutung der Ressourcen muss dringend verändert werden.
Jeder Einzelne kann zur Verbesserung beitragen. Für die Pariser Klimaziele etwa, ist die Reduktion des Fleisch-, Milch- und Käsekonsums entscheidend. Aus 7–8 pflanzlichen Kalorien entsteht über das Tierfutter nur eine Fleischkalorie für die Massentierhaltung, also für Fleisch, für den menschlichen Verzehr. Wenn jeder den Fleischkonsum nur halbiert, was übrigens auch nachweislich der persönlichen Gesundheit dient, könnten riesige Flächen renaturiert werden. Heute sind rund 51 % der bundesdeutschen Flächen landwirtschaftlich genutzt, die Hälfte davon wiederum, steht für die Futtermittelherstellung zur Verfügung – das sind 26 % aller bundesdeutschen Flächen, das entspricht z. B. der Größe von Bayern und Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Ein Viertel der Bundesrepublik nur für die überflüssige Fleischproduktion! Hier aber steckt der Verzicht für viele, hier wären Veränderungen notwendig, die für einige auch wirtschaftliche Einschnitte bedeuten, meist sind das die lautesten unter den Andersdenkenden.
Die Flächennutzung muss sich radikal verändern. Schon jetzt ist die Biodiversität in Städten tatsächlich oft höher als auf dem Land. Wir benötigen echte Renaturierungsflächen, frei von Hobbyjagd und Nutztierhaltung, mit großen Pflanzenfressern wie Elchen und Wisenten, gemanagt von Prädatoren wie Wolf und Luchs. Die Jagd hat jahrzehntelang versagt, ihr Einfluss auf Natur und Wildtierbestände war destruktiv. Ein entschlossenes, sofortiges Umdenken ist keine Option mehr, sondern Pflicht. Wer heute nicht bereit ist, auf liebgewonnene Bequemlichkeiten zu verzichten, verspielt die Zukunft der nachfolgenden Generationen und hinterlässt ihnen lebensfeindliche, kaum noch korrigierbare Lebensbedingungen. Weiteres Zögern wäre nichts anderes als verantwortungslose Selbstzerstörung.
In allen Zusammenhängen empfehle ich die Anlagen unten, insbesondere die, der Heinrich-Böll-Stiftung. Auf Seite 41 wird dargestellt, was unsere Gesellschaft an Nutztieren pro Jahr wegwirft, schlachtet, aber nicht mal isst. Abgelaufene Verfallsdaten, oder einfach nur, weil wir vollkommen sinnlos im Zeitalter des Überflusses satt sind und respektlos wegwerfen. So sterben 8,9 Mio. Tiere/Jahr völlig umsonst, nur aus monetären Gründen, des Deals wegen!! Übrigens davon 52.000 Schafe und Ziegen! Nicht mal 9 % tötete der Wolf in ganz Deutschland, nicht aus Habgier, sondern aus vollkommen natürlicher Intention, aus Hunger. Das dann auf meist ungesicherten und schlecht gesicherten Weiden, zudem dann als Problemwolf deklariert und oft zum Abschuss gewünscht.
Insgesamt wurden 2023 ganze 1.073.143 Schafe für den menschlichen Verzehr geschlachtet. Einige Tausende verendeten beim Transport, was dem Halter natürlich egal ist, da mit dem bereits geflossenen Geld dann gilt: Aus dem Auge, aus dem Sinn.
Es lebe unsere Doppelmoral.
Anlagen
Verbissschäden
https://naturdigital.online/verbiss-vs-schaeden/
Prof. Dr. Dr. Sven Herzog (Jäger), ab Min. 5:45 im Interview
https://www.youtube.com/embed/dCfwcl8ma1k?si=xQay_nlN08OPTzyS
Naturflächen/Waldflächenanteil, Bundesländer
https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:ce965818-6a3b-4c4c-bafa-8addffcec581
Wir krämpeln Deutschland um
https://www.youtube.com/live/R2a1QB4StQU?si=s_wNUhKQZx3Rx0IP
Fleischatlas
https://www.boell.de/sites/default/files/2021-01/Fleischatlas2021_0.pdf
Populationsdynamik und Umweltkapazität
http://rmg.zum.de/images/5/56/Q11_S_500_PopW1.pdf
Alles zum Thema Wolf:
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/15812.html
Mehr Biodiversität in der Stadt als auf dem Land
https://www.langertagderstadtnatur.de/gesichter-und-geschichten/warum-stadtnatur-uns-gut-tut

Ein wunderbarer Beitrag für den Wolf, den ich nur so unterstreichen kann! Wir leben genau in diesem beschriebenen Bereich Niedersachsens der intensivsten Landwirtschaft mit Massentierstallungen. Wir erleben genau das Beschriebene, was daran erinnert, dass die Angst vor Veränderungen, dem Unbekannten und dem, was nicht kontrollierbar erscheint, antreibt : Plakate an Scheunen gegen den Wolf („Gehört nicht in diese Kulturlandschaft“ und „Keine Weidetierhaltung mehr möglich, wenn das so weitergeht mit dem Wolf“ – wobei am Horizont die Massentierställe schimmern), Versammlungen mit Mahnfeuer und Fackeln gegen den Wolf, die lokale Presse bringt regelmäßig Artikel über den Wolf und was er so tut und macht, wobei er häufiger gar nichts macht, er aber halt gesehen worden ist und aktuell grad wieder ein Artikel einer Kreistagssitzung mit dem Titel „Tierwohl bleibt bei Wolfsrissen unbeachtet“ (Lesenswert – aber nur mit Puls ;)). Im Artikel wird über das Leid der zwar gerissenen, aber noch nicht verstorbenen Tiere berichtet und dass diese Grausamkeit des Wolfes keine Berücksichtigung findet („Das Tierwohl ist gefährdet!“). Ich möchte den Schmerz verletzter Tiere nicht wegwischen und auch ich möchte absolut keins meiner Tiere stark verletzt auf der Weide vorfinden – aber diesen Umstand als Argument gegen den Wolf zu verwenden ist an Ambivalenz kaum zu überbieten. Natur ist nicht im Besitz von uns Menschen. Wir haben die Verantwortung zu schützen und dazu gehört der Wolf und auch jedes Tier, welches wir als Mensch in ein Leben pressen, was es sich sicherlich nicht selbst aussuchen würde.
Wow dieser Beitrag ist sowas von gut!! Ich unterschreibe jedes einzelne Wort!! Dafür ist der Begriff „brilliant“ erfunden worden!!! Was für ein Meisterwerk! Wenn Du all’ meine Kommentare zum kürzlich bei Instagram erschienenen, Dir bekannten „Wolf-oder-Hund-Post“ lesen würdest, würdest Du dort vieles davon in anderen aber längst nicht so fundierten Worten wiederfinden…! Mensch, wir ticken wirklich nahezu identisch, Sir! 🐺🐺🐺🤗
Ach lieber Guido, wie klug ist dieser Beitrag wieder zusammengefasst! Wie schrecklich, dass der Kanzler und bayrische Ministerpräsident so derbe beschämend für Fleisch werben!
Wenn die jungen Menschen die „Boomer“
für diese ganzen Dramen dieser Zeit verantwortlich machen, müssen wir uns fragen lassen, was wir alles wussten und hingenommen haben…. Ich habe das Gefühl meine Zeit mit dem Kampf und Aufklärung für eine humane, gesunde und lebensfreudige Welt verbracht zu haben. Und ich habe drei wunderbare Menschen ins Leben begleiten dürfen, die zu mindestens anständig mit Menschen, Natur und Ressourcen umgehen, die achtsam sind. Und dennoch glaube ich, wie du, dass wir es den nachfolgenden Generationen schuldig sind, nicht zu resignieren und weiter Bewusstheit schaffen müssen ob der Fragilität dieses Planeten und unseres demokratischen Systems. Wir werden uns entscheiden müssen, und da finde ich Verzicht das falsche Wort, großzügig unsere Energien zu verschwenden in eine gesündere, zukunftsorientierte Wertegemeinschaft, in der Egoismus und Wachstum nicht mehr anerkannte Ziele sind. Und um meine Tochter zu zitieren: du hast dir deine Ideale bewahrt! Zum Glück 🍀
Glück auf ⚒️ aus einer Region, die Industrialisierung, Zuwanderung und Strukturwandel versucht mit den Menschen zu gestalten, mal klug, mal geht so klug…. In diesem Sinne! DANKE, du kluger Mensch!
Hallo lieber Guido, was für ein großartiger Beitrag wieder, den du uns hier präsentierst. (wir hatten hier fast 1 Woche kein Internet, deshalb konnte ich den Beitrag erst heute anhöhren und lesen). Tausend Dank für deine wie immer so große Mühe, ausgezeichnete Recherche und die vielen bereichernden Anhänge. Beim Lesen und Hören deiner Beiträge kann ich fühlen, wieviel Herzblut dir an unserer Natur und unseren Wildtieren liegt. Nun aber zum Thema „Der Wolf muss hier weg“ – Hier in Bayern leben lt. DBBW 2024/2025 gerademal 6 Rudel 3 Paare und 2 Einzeltiere. Die Hetzerei dagegen ist riesengroß, insbesondere von der bayer. Politik, sogar unser Umweltminister hetzt bei jeder Gelegenheit gegen den Wolf. Dabei hätten Wölfe in Bayern einen optimalen Lebensraum, was schon der mittlerweile leider verstorbene Ulrich Wotschikowsky feststellte. Hier gibt es sehr viele Wälder, die Berge, viele Flüsse, Bäche und Seen. Unsere Natur ist vielerorts noch relativ gut erhalten, es gibt keine Massentierhaltungen, mehr die kleinbäuerliche Landwirtschaft. Bedauerlicherweise ist aber überall Jagd- und Forstwirtschaft erlaubt, außer in einem kleinen Eckchen vom Bayerischen Wald, das gedeihen und wachsen darf wie es sein soll. Ansonsten wird Flächenfraß betrieben wo es nur geht, zumeist für völlig unsinnige Projekte. Immer noch ein Einkaufszentrum, natürlich alle mit riesengroßer Fleisch- und Wursttheke, und Wurstfresser Söder posiert ja nahezu täglich bei Facebook und Instagramm mit ekelhaften Fotos, wie lecker das doch alles schmeckt. Natur, Klima und Umwelt sind den bayerischen Politikern sowas von egal, wie auch BlackRockMerz. Auch die Jägerschaft wird in Bayern außerordentlich hofiert, dafür sorgt vor allem Aiwanger, selbst Jäger und seit zwei Jahren nun auch Jagdminister. Dieser tönte vor nicht all zu langer Zeit auf Facebook „wenn mir eines dieser Mistviecher (Wölfe) über den Weg läuft, knalle ich es ab!“ Ja, es müsste dringendst ein Umdenken stattfinden, vor allem muss endlich gehandelt werden! Es gibt einige NGOs in Deutschland, z. B. NABU, WWF, IFAW, die etwas bewegen könnten, leider alle sehr schweigsam, insbesondere zum Schutz der Wölfe. Ganz lieben Dank nochmal Guido!
Danke Dir für deine Beiträge, lieber Guido.
Ich lese (und höre) deine Texte mit großem Interesse, lerne immer etwas dazu und genieße deine Aufnahmen ob Foto oder Film sehr.
Dein Einsatz bewegt viele Menschen und ist sehr wertvoll für unsere Natur.
Toller Beitrag, wie immer, und die Kuh hat sich ja wohl hübsch gemacht 😍. Sieht man selten, so eine Aufnahme 👏.
Michaela hat in ihrem Kommentar hier auf deiner Website u.a. den Trotz der Landwirte angesprochen. Ich habe das Gefühl, dass sich der Trotz bei allen Wolfsgegner auf allen Ebenen breitmacht. Wie trotzige kleine Kinder ignorieren Weidetierhalter die positiven Erfahrungen von Berufsweidetierhaltern mit Herdenschutzhunden und fachgerechten Zäunen. Die Jagdverbände ignorieren genauso trotzig wissenschaftliche Erkenntnisse und verbreiten nur Märchen und Lügen aus purem Egoismus. Der normale Bürger lässt sich von diesen trotzigen Gegnern anstecken, sich sogar vor deren Karren spannen. Und ganz schlimm, dass die Politik genauso die positiven Erfahrungen bewusst außen vor lässt und auch Studien nicht berücksichtigt. Allen voran Ursula von der Leyen. Bei ihr könnte man sogar schon trotzigem Machtmissbrauch vermuten.
In diesem Zusammenhang fielen mir Worte von Marc Raschke in einem seiner letzten Beiträge ein: „Wer provoziert, der führt: Warum Mitte-Links wesentlich mutiger werden muss, um die Demokratie zu retten.“ Er bezog das zwar auf die gesamte politische Bühne. Aber letztendlich kann man das auch bei Themen wie Rewilding, Prädatoren, invasive Arten usw. sehen.
Auf unsere Wildtiere, insbesondere bei Prädatoren wie Wolf, Fuchs, Waschbär bezogen, provoziert und lügt die Jägerschaft massiv und bekommt von der Politik und sogar von Naturschutzverbänden (größtenteils) recht, obwohl die Jägerschaft keinerlei wissenschaftliche Belege für ihre Behauptungen erbringt, auch nicht kann, weil es sie nicht gibt. Vielleicht müssen wir einfach auch weniger lieb sein, mehr provozieren. Massiv die Beispiele bringen, wo genau das gelingt, was immer bestritten wird. Klar möchten wir genau die abholen, die noch uninformiert sind und sich noch keine Meinung gebildet haben. Vielleicht wird es aber auch mal Zeit, zusätzlich eine weitere Strategie zu fahren. Bisher halten wir uns vielleicht doch zu sehr zurück. Nur so eine Gedankenblase 😉.
Danke ,lieber Guido für deinen Beitrag, der genau das Problem beschreibt, welches unsere Artenvielfalt und letztlich auch uns selbst bedroht. Bin ich in meiner Kindheit noch mit meinem Vater im März zu den Kiebitzen gefahren, um an ihrem Balzverhalten zu erkennen, ob es noch viele Frostnächte geben könnten und wir mit der Bestellung der Felder noch warten sollten, oder schon beginnen können, sind in dem Gebiet heute nur noch Maiswüsten zu sehen. Die Schlatts, die damals vielen Arten einen Lebensraum gaben, sind verfüllt worden und zu intensiv genutztem Ackerland geworden. Auch das von dir gut beschriebene Ostfriesland war in früheren Zeiten ein „Paradies“ für sämtliche Limikolen und andere Bodenbrüter. Zu der Zeit gaben die Kühe der Bauern etwa 10-15 Liter Milch pro Tag, dafür wurden die Flächen zweimal im Jahr gemäht und es wurde noch richtiges Heu gemacht. Das reichte den Bauern aus und lies noch viel Lebensraum für die Artenvielfalt. Mit der Zucht der Hochleistungskühe, besonders der Holstein-Friesian Rasse begann dann das Unheil. Um die Milchleistung von über 40 Liter pro Tag zu schaffen brauchen diese Kühe sehr energiehaltiges Futter und das wurde dann in Form von Energiegras gezüchtet. Das ehemals artenreiche Grünland wurde nun umgebrochen, neu eingesät und seit derzeit jetzt bis zu fünfmal im Jahr gemäht und zu Futter verarbeitet. So wurde also die Artenvielfalt vernichtet, um die Milchseen und Butterberge wachsen zu lassen. Für naturfremde Menschen sieht es aber nach wie vor ja schön grün aus und so erkennen die meisten Menschen auch nicht, was sich dort abgespielt hat. Aber anstatt das wir endlich aufwachen und diesen Wahnsinn beenden, versuchen wir andere Schuldige für den Rückgang der Artenvielfalt zu suchen und Jäger und Bauern wurden such fündig, der Fuchs ist schuld, die Rabenvögel, die Marder und der Waschbär sind das Problem, auch der Storch, aber da trauen sie sich noch nicht ran, weil er ja beliebt ist und die Kinder bringt und jetzt auch der Wolf, der die Komfortzone der Bauern bedroht, weil er ihnen deutlich zeigt, was schief läuft in unserer Wohlstandsgesellschaft. Enttäuscht bin ich über die Naturschutzverbände, die die Probleme genau kennen, sie aber nicht anfassen mögen und sogar noch Hobby-Jäger in der Vernichtung der Prädatoren unterstützen, ob direkt durch Beteiligung, oder durch Finanzierung von z.B. Fallen.
Guten Morgen lieber Guido und vielen lieben Dank für diesen wieder so lehrreichen Beitrag für uns alle. Umdenken, dass Stichwort. Mich lässt es auch nicht los, denn es erinnert auch mich an meine Jugend. Es war eine Sünde irgendetwas an Nahrungsmitteln in den Müll zu werfen. Meine Großeltern haben es uns beigebracht und es war und ist richtig. Wer Lebensmittel einfach entsorgt, entsorgt damit auch ein Stück Natur Tag für Tag.
Ich kann mich gut erinnern das es einmal im Jahr ein sogenanntes „Schlachtefest“ es wurde je nach Personen im Haushalt 1-2 Schweine geschlachtet. Ich erinnern mich das von dem Tier alles verwertet wurde, selbst der Ringelschwanz gehörte in den Eintopf. Heute ist es nicht mehr so, heute in unserer wegschmeiß Gesellschaft wird nur geklagt weil alles so teuer geworden ist. Genau lieber Guido, wenn jeder nur noch die Hälfte von allem kaufen würde und dadurch weniger Tiere geschlachtet würden weil wir nichts mehr entsorgen müssen kämen wir der Natur schon ein gutes Stück entgegen. Warum den Wolf oder andere Tiere verantwortlich machen für das was wir Menschen der Natur angetan haben und immer noch tun? Wenn jeder verzichten würde,(wenigstens ein bisschen) es vielleicht ein Anfang wäre nur einmal in der Woche Fleisch zu essen und von diesem Überfluss wegzukommen. Bei mir gibt es das schon lange nicht mehr, wahrscheinlich weil wir es von unseren Großeltern/Eltern vorgelebt bekommen haben . Regional und den Jahreszeiten entsprechend einzukaufen würde auch dazu gehören. Wir Menschen sind der größte Feind unserer Natur, kein Tier und schon gar nicht der Wolf richtigen soviel Schaden an wie wir Menschen .
Mein Opa war Forstarbeiter hat Bäume gepflanzt und uns Kinder oft im Gepäck mit genommen um uns die Natur nahe zu bringen und heute sollten wir das tun mit unseren Kindern/Enkelkinder und auch Schulklassen . Vielleicht sollten die Klassenfahrten in die Natur gehen und nicht nach Mallorca usw . Umdenken ist das eine, es umzusetzen damit tun sich viele schwer.
Lieber Guido, ganz herzlichen Dank an dich für diesen wieder einmal so lehrreichen und zum Nachdenken gemachten Beitrag. Bitte geh in die Schulen und halte Vorträge, wenn es einer kann dann du den Menschen beibringen wie man es wieder besser machen kann . Danke Guido für so viel ❤️🐺🐾❤️🙏
Lieber Guido,
wieder einmal treffen spürbare Emotionen auf saubere Recherche und man merkt mit jeder Zeile, mit wie viel Herzblut du dich für die Veränderung hin zu mehr Natur einsetzt. Das Ganze wird unterstrichen durch die fantastische Audioversion. Wieder absolut großartig und berührend, mit Blick auf nicht sofort erkennbare Zusammenhänge!
Besonders dein Nachwort beinhaltet einen Satz, den ich gerne aufgreifen würde: „Heimat ist kein Besitz, den man einzäunt, sondern ein Versprechen an die Zukunft“. Genau das aber ist es, was wir bis heute nicht verstanden haben, oder nicht verstehen wollen, denn unsere Prägung hat zur Folge, dass wir uns behaglich einrichten, oft mit übermäßiger Selbstbezogenheit. Wir packen das Leben um uns herum in Schubladen, sprechen jedem Tier und jeder Pflanze eine bestimmte Aufgabe innerhalb des Systems zu, wobei diese Zuordnung in Anbetracht unserer Meinung von nützlich und schädlich erfolgt. Bei alledem merken wir aber nicht, dass wir ganz am Anfang stehen und im Prinzip von dem ewigen Kreislauf des Lebens rein gar nichts verstehen.
Erschreckend ist, mit wie viel Trotz vor allem Landwirte mittlerweile reagieren, mit welcher Aggression Gespräche geführt werden – fehlende Argumente werden durch Polemik, Hetze und Lautstärke ersetzt. Und es wird sogar der Politik unterstellt, nichts gegen den Wolf zu unternehmen, um die kleinen Betriebe zu zerstören. (eine Aussage aus einem Gespräch, das ich letztens führte) Der Wolf muss hier weg!
Gleichzeitig werden mehr und mehr Agrarwüsten geschaffen, Saumbiotope zerstört oder wie im Fall der Forstwirtschaft, trotz neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, immer wieder Holzplantagen angelegt, die mit dem komplexen Lebensraum Wald nicht das Mindeste zu tun haben. Hinzu kommt die Jagd, die nichts weiter darstellt als Bedürfnisbefriedigung, und die mehr und mehr dafür sorgt, dass Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten.
Dabei sind der Wolf und auch zurückkehrende Großherbivoren zusammen mit großen Wildnisgebieten die einzige Chance, unserer Verpflichtung für nachfolgende Generationen gerecht zu werden. Und augenscheinlich bewegen wir uns aktuell auf höchster politischer Ebene eher drei Schritte zurück
, denn einen nach vorn, indem der Lobby immer weitere Zugeständnisse gemacht werden.
Fakt ist, dass umgehend in ganz Deutschland wolfsabweisende Zäune gefördert werden müssen, unabhängig davon, ob es sich um eine bestätigtes Wolfsgebiet handelt oder nicht. Auf der anderen Seite darf es keine Ausgleichszahlungen geben, wenn kein Mindestschutz vorhanden ist. Tierhalter sollten dazu verpflichtet werden, ihre Tiere angemessen zu schützen, mehr noch, bei Nichteinhaltung Strafe zahlen.
Ja, es lebe unsere Doppelmoral, das hast du super auf den Punkt gebracht!
Ich würde sogar noch ergänzen: „Es lebe der Wahnsinn“, denn wenn Menschen immer wieder in Dauerschleife die gleichen Fehler machen, aber jedes Mal andere Ergebnisse erwarten, dann ist das wohl als solcher zu bezeichnen.
Ich wünsche mir von Herzen, dass viele deinem Aufruf folgen, ihre Komfortzone verlassen und sich für die Natur, mehr Wildnis und eine lebenswerte Zukunft engagieren.
Wir müssen Brücken bauen – nicht nur solche, die Lebensräume verbinden, sondern Brücken zurück zur Natur, denn Rewilding ist die Zukunft!