Biodiversität & Nachhaltigkeit

Heute verbrauchen wir mehr biologische Ressourcen, als die Erde in einem Jahr neu produzieren kann. Nachhaltig aber wäre es, nicht mehr zu entnehmen als nachwächst, nachhaltig eben!
Um die Erde zu entlasten und mehr Nachhaltigkeit zu erreichen, braucht es mehr Wildnis. Dazu gehören zB. die Verbindungen zwischen verschiedenen Ökosystemen (Wildtierbrücken), intakte Nahrungsketten und die Akzeptanz natürlicher Ereignisse wie Überflutungen von Feuchtgebieten. Das erreicht man unter anderem indem man Flüsse renaturiert, auch den Biber ihr Werk lässt, Dämme entfernt und in großen Parks oder in Stadtwäldchen gepflegte Flächen mit Wildwuchs kombiniert. Selbst wenn es dann nach Schrebergartenvorstellungen nicht “ordentlich” aussieht. Ein wichtiges Prinzip des Rewildings ist, nach und nach immer weniger in die Natur einzugreifen, ihr in eine Selbständigkeit zu verhelfen.
In Deutschland gibt es 8.833 Naturschutzgebiete. Das entspricht gerade mal 2.670.015 Hektar oder 6,4% der Gesamtfläche der Republik. Wir meinen mit einem Selbstverständnis das zumindest dort tatsächlich die Natur geschützt ist, klar heißt ja so. Weit gefehlt! Hier ist fast nichts anders, auch hier findet (Hobby)jagd statt, auch hier finden ohne jegliche naturidentische Selektion Treib,- und Drückerjagden statt. Zudem ist
Deutschland mit 11,4 Mio Hektar bewaldet, was tatsächlich einem Drittel (29,8%) der Landesfläche entspricht. Ideale Flächen zum Rewilding.
Aber was ist das nun eigentlich, dieses Rewilding? Will der Meyer aus dem Land einen Dschungel machen? Nein! Rewilding ist DIE Maßnahme um mehr Biodiversität zu schaffen, um mehr Arten nebeneinander in einem Gesamtökosystem zu schaffen! Biodiversität ist der dringend notwendige Erfolgsschlüssel zur gesunden sich selbst regulierenden Natur. Wenn es Mutter Natur gut geht, geht es uns Menschen gut. Rewilding beginnt in unserem Vorgarten, Blumenwiese statt englischem Rasen! Rewilding heißt mehr Arten schaffen, bzw immer mehr Arten den Lebensraum zu schaffen, um dann ohne den Menschen wieder ein selbständiges Biotop zu erhalten. Im Wald nicht nur die Monokultur, die Fichte stehen zu haben, sondern den kompletten Mischwald. Vielfalt bedeutet resistent gegenüber Störungen zu sein. Vielfalt schützt zB. vorm Borkenkäfer. Zu jeder Pflanze gesellt sich eine Tierwelt. Nur eine Pflanze, bedeutet nur eine kleine Tierwelt, viele Pflanzen bedeuten sehr viele verschiedene Tiere/Tierwelten. Wenn zB. ein Borkenkäfer auf eine Monokultur trifft, hat er keine bis wenig Feinde und kann sich extrem vermehren. Trifft er auf ein Areal höherer Biodiversität, trifft er auf fast alle seiner über 300 (!) Feinde. Fast alle aber leben nicht in der Monokultur der Fichte. Die Folge ist eine extreme, waldschädigende Ausbreitung des Schädlings Borkenkäfer.
Biodiversität schützt also den Wald, schützt die Natur, schützt die Existenz des Menschen.
Also gilt es diese zu schaffen und zu unterstützen. Was im Wald gilt, gilt auch in der Tierwelt. Je mehr Arten, desto stabiler das System. Für alle Aufgaben hat die Natur in Jahrmillionen ein Tier geschaffen. Wiederkäuer, wie zB. Rotwild, Elch und Wisent, die mit ihrem “Verbiss” stets Licht in den Wald bringen, eine sonst extrem empfindliche Walddichte verhindern. Prädatoren wie den Wolf, den Bären und Luchs die widerum die Pflanzenfresser in ihrer Kopfzahl selektiv dezimieren, auf eben dem Niveau halten, das wieder umfangreiche für den Wald gesund ist. Und das ohne einen massiven Eingriff durch “Schießlust” oder eines wirtschaftlichen Interesses.
Die Natur kennt keine Strafe, sie hält aber Konsequenzen bereit, wenn nötig auch schwere Konsequenzen gegen den Menschen.
Bild: Seltenes Schwarzreh

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